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Zersetzung der Seele – die operative Psychologie in der DDR

Zersetzung der Seele – die operative Psychologie in der DDR
Zersetzung der Seele – die operative Psychologie in der DDR

Astrid

Ich bin gelernte Mediengestalterin für Bild und Ton und arbeite in meinem kleinen Einzelunternehmen als Werbe- und Onlinetexterin. Es ist mir ein Muss, Bild und Sprache miteinander gefühlvoll zu verbinden, um Emotionen zu wecken und Sinne zu schärfen.

Astrid

Ich bin gelernte Mediengestalterin für Bild und Ton und arbeite in meinem kleinen Einzelunternehmen als Werbe- und Onlinetexterin. Es ist mir ein Muss, Bild und Sprache miteinander gefühlvoll zu verbinden, um Emotionen zu wecken und Sinne zu schärfen.

Die DDR und „ihre“ Maßnahmen gegen mündige Bürger

Weshalb ich „ihre“ in Anführungszeichen gesetzt habe? Nun, bevor ich wieder Öl ins Feuer gieße und unsinnige Diskussionen über Ossis und Wessis entfache, ist es mir doch lieber, gleich auf eine gewisse Differenzierung von „Alltag in der DDR“ und „politischer Diktatur in der DDR“ vorzunehmen.

An und für sich setze ich das bei meiner Stammleserschaft ohnehin voraus, dass ihr nicht alles in schwarz oder weiß, gut oder böse, rechts oder links einteilt und dem Schubladendenken nicht verfallt.

Alle anderen Leser bitte ich gleich vorweg, nicht immer nur die eine Seite der Medaille zu betrachten, sondern sich einen Überblick zu verschaffen – über das Leben in der Deutschen Demokratischen Republik.

Deshalb schreibe ich ja hier darüber: Um einen Fokus auf das zu richten, was gut war – und gleichzeitig so vernichtend sein konnte.

Operative Psychologie

Die „Operative Psychologie“ war ein Forschungs- und Lehrfach an der Juristischen Hochschule (JHS) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR. Diese beschäftigte sich mit „den Erscheinungen, Bedingungen, Gesetzmäßigkeiten und des psychischen Erlebens und der psychischen Steuerung des Verhaltens und der Handlungen der Menschen in der politisch-operativen Arbeit des MfS“[1]. Die auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse wurden zur „Zersetzungpolitischer Gegner des SED-Regimes genutzt.

Quelle: Wikipedia

Viele Jahre mussten ins Land gehen, damit ich über dieses Thema schreiben kann. Bis heute bin ich mir nicht sicher, ob manche Leute, die heute groß „Ich bin stolz, ein Ossi zu sein“ schreien, überhaupt wissen, dass die DDR ein Unrechtsstaat war, eine Diktatur.

Bisher hat nie jemand in Frage gestellt, was ich zu dem Thema DDR zu berichten hatte – auch wenn ich damals verhältnismäßig jung war. Das Verhältnis zum Staat war immer sehr gespalten, worüber ich gleich berichten werde.

Dennoch liebe ich die Region, in der ich aufwuchs, in der ich meine Kindheit verbrachte und habe ich auch sehr viele schöne Kindheitserinnerungen. Ich kann jeden hier im Osten verstehen, der manche Dinge aus der DDR vermisst. Wer sich diese Widersprüchlichkeiten nicht erklären kann, der hat hier auf meinem Blog Gelegenheit, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Es wird noch mehr solche Artikel geben, doch das braucht Zeit.

Ich habe keine Lust mich oder andere zu stigmatisieren oder in der Manier mancher sensationsgeiler Medien ein einfaches Bild von der Vergangenheit der DDR zu zeichnen und der Konsequenzen daraus für unser heutiges vereintes Deutschland.

Es geht mir um Aufarbeitung, und ich werde gefühlsmäßig an viele Grenzen stoßen, hüben wie drüben. Das bin ich aber gewöhnt, und werde euch ausführlich in nächster Zeit berichten, warum ich diese Rolle gut ausfülle.

Ja, ich liebe Ostdeutschland, ich bin eine gebürtige Ostdeutsche, bin hier groß geworden, erwachsen geworden – und habe nie woanders als im Osten gewohnt. Ich war zur Wiedervereinigung elf Jahre alt und somit ein Kind.

Wieso also schreibe ich Artikel über die Zersetzung der Seele in der DDR?

Im Jahr 1960 begann sich in der DDR ein Zweig herauszubilden, der – sagen wir mal spekulativ – ein wenig effektiver als nur militärisch gegen Ideologie- Feinde vorgehen wollte.

Die beste Angriffsfläche in jedem Menschen, egal wie stark er ist, zeigt sich in der Manipulation seiner Psyche. Viele kennen sicherlich den Begriff Gehirnwäsche. Der eine oder andere weiß eventuell ein wenig Bescheid über das Arbeiten von Sekten und fanatischen Gemeinschaften ( egal welcher Art, nicht nur religiös). Dieser Begriff der Indoktrination ist nicht neu. Über langen Zeitraum werden immer wieder dieselben „Phrasen“ gedroschen, bis das Gehirn irgendwann auf Schmalspur funktioniert, sich nur noch auf ein Thema fokussiert und alles andere ausblendet.

Genau das erkannte das Ministerium für Staatssicherheit und baute es Stück für Stück in seine Funktionsweise mit ein. Doch worum genau geht es dabei?

Wer nie in einer Diktatur groß wurde, kann sich nicht vorstellen, wie so eine Kontrolle der Bewohner des Landes abläuft. Es gab in der DDR eine – sagen wir staatlich aufgezwungene – Weltanschauung, die jeder gehorsame Mensch genau so auch zu verinnerlichen haate. Jeder, der Zweifel daran hegte oder aber seinen Individualismus in den Vordergrund stellte, galt recht schnell als bedrohlich für das System.

Das MfS war dafür zuständig, die Bürger der DDR dahingehend zu beobachten und zu kontrollieren, dass deren Ansichten mit diesem aufdiktiertem Weltbild nicht in Widerspruch standen. Viele Bürger legten mehr oder weniger einen recht diplomatischen Spagat mit diesem System hin, um keinen Ärger zu bekommen.

Wer allerdings zu offen dagegen vorging, hatte jede Menge Probleme. Auch die Kinder dieser Leute hatten Probleme und manchmal endete das in einer Katastrophe besonderen Ausmaßes.

Die operative Psychologie funktionierte tatsächlich als Zersetzung des Lebens und das auf eine recht perfide Art und Weise. Sie passierte heimlich und versteckt – sodass der Nährboden für Vertrauen und Nähe Freunden oder Familienmitglieder gegenüber komplett entzogen wurde.

Bis heute weiss niemand so ganz genau, wen diese Maßnahmen trafen und wissenschaftlich wurden die Folgen – vor allem die seelischen – bis heute leider nicht Studien unterzogen. Es gibt Menschen in diesem Land, die hochtraumatisiert sind und bisweilen auch ihre Kinder (welche nun schon erwachsen sind). Die jedoch nicht wissen, dass viele Dinge in ihrem Leben geschahen, weil es jemand so wollte.

Die Trumanshow in der DDR

Gruselig…du gehst in deine Wohnung und plötzlich hängt ein Bild an der Wand, welches du nicht kennst. Du fährst mit dem Fahrrad und zwei kleinen Kindern in den entfernteren Konsum einkaufen und als du mit voll bepackten Taschen zurück kommst, sind beide Reifen aufgeschlitzt. Du hängst die schweren Beutel links und rechts an den Lenker, nimmst deine beiden quengelnden Kinder und schiebst mühselig dein Fahrrad gen Wohnung.

Fix und fertig schleppst du die Taschen nach oben und öffnest die Tür, willst jetzt doch noch einmal genau untersuchen, wo dieses mysteriöse Bild an der Wand her kommt – und es ist weg….

Du erzählst einem sehr engen Freund davon, bei dem du dir sicher bist, dass er dich niemals verraten würde. Ihr sitzt im Wohnzimmer bei einer Tasse Kaffee und unterhaltet euch über dieses Bild. Den nächsten Tag weiß in deiner Arbeitsstelle jeder darüber Bescheid, obwohl dein Freund dir schwört, es niemandem erzählt zu haben…Nicht nur peinlich, sondern vor allem zweifelst du an dir – an deinem Verstand. du wirst belächelt, ausgegrenzt und für irre erklärt. Das tut die Öffentlichkeit von ganz allein.

Doch wie konnte das alles passieren? Bist du wirklich Wahnvorstellungen erlegen?

Diese Geschichte ist keinesfalls übertrieben.

Ich habe dazu hier eine gut recherchierte Dokumentation gefunden, die du dir anschauen solltest.

Wie geht es dir nach Schauen dieses Films?

Natürlich fragt sich jeder, der nicht dem „gängigen“ Meinungsideal der DDR entsprach, ob es wohl auch ihn betraf? Situationen aus der Kindheit drängen sich nach oben, deren produzierte Bilder keiner mehr sehen will, die wegggedrängt und ausgeschaltet werden.

Jetzt ist ja alles gut, es ist lange her, längst vorbei. Keine Gefahr mehr.

Doch wo sind die Akten zu dem Thema? Wer kann auf Fragen antworten? Wer glaubt einem eigentlich heutzutage?

Welche Psychologen sind dafür ausgebildet, um ein verschwiegenes Trauma zu behandeln? Was wurde aus den Kindern, die involviert waren?

Zu viele Ungereimtheiten, zu wenig Hilfe seit der Wende – wie muss es den Opfern wohl ergangen sein und wie geht es ihnen jetzt?

Wir können nicht verleugnen, was an Unrecht geschehen ist. Nur die kritische Auseinandersetzung mit den Geschehnissen bringt uns auf einen Weg der Aufarbeitung….weit weg von sensationsgeilen Medien und ignoaranten Politikern, vielleicht auch einem stummen Volk, was eben nicht immer so geeint war.

Es hilt nicht,  die ganze DDR zu diffamieren, denn es gab keine homogene DDR-Bevölkerungsschicht. Das sollte ich wohl nicht erklären müssen.

Dennoch wünsche ich  euch ein paar ruihge Minuten, um inner zu halten und nachzudenken. Die DDR war nicht entweder böse oder gut. Sie war böse und gut. So wie man es von fast jedem System behaupten kann, welches durch Menschen funktioniert.

Einen kritischen Aufarbeitungsdienstag wünscht euch

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Ich habe gelernt. Gedankliches Jogging.

Ich habe gelernt

Ich habe gelernt, dass du niemanden dazu bringen kannst, dich zu lieben. Alles was du tun kannst, ist, jemand zu sein, den man lieben kann. Der Rest liegt an den anderen.

Ich habe gelernt, egal wie viel ich mich kümmere, manche Menschen kümmert es nicht.

Ich habe gelernt, dass es Jahre braucht Vertrauen aufzubauen, aber nur Sekunden, um es zu zerstören.

Ich habe gelernt, dass im Leben nicht zählt, was du hast, sondern wen du hast.

Ich habe gelernt, das du dich nicht mit dem Besten, das andere geben können vergleichen solltest, sondern mit dem Besten das du geben kannst.

Ich habe gelernt, dass es nicht wichtig ist, was Leuten passiert, sondern was sie daraus machen.

Ich habe gelernt, dass du impulsiv etwas tun kannst, was dir für den Rest deines Lebens Kopfschmerzen bereitet.

Ich habe gelernt, dass egal wie dünn du etwas schneidest, es immer zwei Seiten gibt.

Ich habe gelernt, dass es lange dauert, die Person zu werden, die ich wirklich sein möchte.

Ich habe gelernt, dass es oft einfacher ist zu reagieren als zu denken.

Ich habe gelernt, dass du immer jemanden mit lieben Worten verlassen solltest. Es könnte das letzte mal sein, das du ihn siehst.

Ich habe gelernt, dass du noch lange weitermachen kannst, nachdem du dachtest du kannst nicht mehr.

Ich habe gelernt, dass wir verantwortlich sind für das was wir tun, egal wie wir uns fühlen.

Ich habe gelernt, dass entweder du deine Haltung steuerst oder sie dich steuert.

Ich habe gelernt, dass ungeachtet dessen, wie heiß und feurig deine Beziehung anfangs ist, die Leidenschaft verblasst und besser etwas anderes diesen Platz einnimmt.

Ich habe gelernt, dass Helden Menschen sind die das tun, was getan werden muss, wenn es notwendig ist, ohne Rücksicht auf die Konsequenzen.

Ich habe gelernt, dass es Übung braucht Verzeihen zu erlernen.

Ich habe gelernt, dass es Menschen gibt, die dich aufrichtig lieben, aber nicht wissen, wie sie es zeigen sollen.

Ich habe gelernt, dass Geld ein lausiger Weg ist Anerkennung zu bekommen.

Ich habe gelernt, das mein Freund und ich alles oder nichts tun können und dabei eine tolle Zeit haben.

Ich habe gelernt, dass manchmal die Leute, von denen du erwartest, einen Tritt zu bekommen, wenn du ganz unten bist, diejenigen sind, die dir beim Aufstehen helfen.

Ich habe gelernt, dass ich manchmal, wenn ich wütend bin, das Recht habe wütend zu sein, aber nicht das Recht, grausam zu sein.

Ich habe gelernt, dass wahre Freundschaft selbst über große Entfernungen hinweg Bestand hat. Dasselbe gilt für wahre Liebe.

Ich habe gelernt, dass, nur weil jemand dich nicht auf die Art und Weise liebt, die du dir wünschst, das nicht heißt, dass er es nicht mit allem tut was er hat.

Ich habe gelernt, dass Reife mehr damit zu tun hat, was für Erfahrungen du gemacht hast und was du daraus gelernt hast, als damit, wie viel Geburtstage du schon gefeiert hast.

Ich habe gelernt, dass du niemals einem Kind sagen solltest, seine Träume sind unglaubwürdig und befremdlich. Es gibt nur wenige Dinge, die demütigender sind und was wäre es schon für eine Tragödie, sie es glauben zu lassen.

Ich habe gelernt, dass eine Familie nicht immer für dich da ist. Es hört sich seltsam an, aber Menschen mit denen du nicht verwandt bist, können sich genauso um dich sorgen, dich lieben und dir das Vertrauen an die Menschen zurückgeben.

Ich habe gelernt, dass egal wie gut ein Freund ist, er dich von Zeit zu Zeit verletzt und du ihm verzeihen musst.

Ich habe gelernt, dass es nicht immer reicht, wenn andere dir verzeihen. Manchmal musst du lernen, dir selber zu verzeihen.

Ich habe gelernt, dass egal wie sehr dein Herz gebrochen ist, die Welt sich wegen deines Kummers nicht aufhört zu drehen.

Ich habe gelernt, dass unser Hintergrund und gewisse Umstände uns beeinflusst haben können, wer wir sind, aber wir sind letztendlich dafür verantwortlich, wer wir werden.

Ich habe gelernt, dass ich manchmal, wenn zwei Freunde streiten, gezwungen bin, eine Seite zu wählen, selbst wenn ich es nicht will

Ich habe gelernt, dass, wenn zwei Menschen sich streiten, das nicht bedeutet, dass sie sich nicht lieben. Und nur weil sie sich nicht streiten bedeutet es nicht, dass sie es tun.

Ich habe gelernt, dass du manchmal eine Person und deren Handlungen trennen musst.

Ich habe gelernt, dass wir Freunde nicht ändern müssen, wenn wir verstehen, dass Freunde sich ändern.

Ich habe gelernt, dass du nicht eifrig versuchen solltest, ein Geheimnis herauszufinden. Es könnte dein Leben für immer verändern.

Ich habe gelernt, dass zwei Leute, die genau die gleiche Sache betrachten, etwas total Unterschiedliches sehen können.

Ich habe gelernt, dass es viele Wege gibt, sich zu verlieben und verliebt zu bleiben.

Ich habe gelernt, dass diejenigen, die ungeachtet der Konsequenzen aufrichtig mit sich selber sind, im Leben weiterkommen.

Ich habe gelernt, dass egal wie viel Freunde du hast, bist du ihre Stütze, wirst du dich einsam und verloren fühlen in den Zeiten, in denen du sie am meisten brauchst.

Ich habe gelernt, dass dein Leben in wenigen Augenblicken von Menschen geändert werden kann, die dich noch nicht einmal kennen.

Ich habe gelernt, dass, selbst wenn du denkst, du hast nichts mehr zu geben, du die Kraft finden wirst zu helfen, wenn ein Freund nach dir ruft.

Ich habe gelernt, dass Schreiben sowie Reden emotionalen Schmerz erleichtern können.

Ich habe gelernt, dass das Paradigma, das wir leben, nicht alles ist, was uns angeboten wird.

Ich habe gelernt, dass Diplome an der Wand aus dir noch keinen anständigen Menschen machen.

Ich habe gelernt, dass Menschen, die dir viel im Leben bedeuten, dir oft viel zu früh genommen werden.

Ich habe gelernt, dass, obgleich das Wort Liebe viele unterschiedliche Bedeutungen hat, es an Wert verliert, wenn es übermäßig benutzt wird.

Ich habe gelernt, dass es schwierig ist, eine Grenze zu ziehen zwischen der Rücksichtnahme auf die Gefühle anderer und zu dem zu stehen, an das du glaubst.

Ich wünsche euch ein bisschen Zeit, um über euch und euer Leben nachzudenken. Manchmal ist es ganz gut, sich den Spiegel vorzuhalten und im „Selbst“ zu ruhen, anstatt sich immer am „Außen“, an anderen zu orientieren. Es gibt nichts und niemanden, der perfekt ist.

Eine schöne Woche wünscht euch

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Die Rolle der Frau. Wir sind kein Vieh.

Die Rolle der Frau. Wir sind kein Vieh.

Vielleicht ist die Überschrift etwas exzentrisch, mag sein. So ist das doch heute, jeder muss ein wenig übertreiben, sonst wird er nicht gehört…
Ich bin in der letzten Zeit nur noch stille Beobachterin der vielen Geschehnisse in Deutschland, die uns oft fremd sind. So jedenfalls sagt es mir mein Gefühl – es ist meine Empfindung, dass sich hier viele Situationen explosionsartig aneinander reihen, bevor man überhaupt Luftholen kann.
Bevor ich in Ruhe überlegen konnte, wie ich alle diese Gefühle in Worte packen könnte – eigentlich genau das einzigartige Talent eines Schreiberlings – ist die Zeit bereits wieder rasend an mir vorbeigegangen und das nächste Geschehnis steht auf dem Tagesplan. Dabei wäre es in mancherlei Hinsicht besser, etwas zur Ruhe kommen zu können und sich zu „sammeln“, bevor man sich zu einem Thema äußert.

Ich beobachte mit großen staunenden Augen, wie sich die Rolle der Frau zu verändern scheint. Zuerst schrie jeder nach Emanzipation, und vor allem wir Kinder der DDR erlebten unsere Mütter als autark, finanziell vom Mann unabhängig und stark. Wir wuchsen in Krippen und Kindergärten auf und die Muttis arbeiteten so wie die Papas. Das war normal. Darauf sind viele heute stolz und genau da wollen heute alle hin.

Nur wenige sahen auch die großen Nachteile. Ich zum Beispiel. Warum ich so anders darüber denke, ist mir ein Rätsel. Vielleicht hängt es einerseits mit religiösen – in dem Falle katholischen – Werten zusammen, die mir während meiner Kindheit vermittelt wurden. Etwas altmodisch zugegebenermaßen. Das Mädchen half mit im Haushalt, der Junge nicht…

Rum wie num…ich habe mich schon lange vom christlichen Glauben abgewendet. Es hat persönliche Gründe und ich achte und respektiere jeden Menschen in seiner Art und mit seinem Glauben, solange er auch mir diese Wertschätzung entgegen bringt.

Doch zum Mütterdasein habe ich so meine eigene Einstellung. Ich fand die DDR modern, keine Frage. Jedoch eine Mutter ist eben auf natürlichem Wege mütterlich, wenn sie ein Kind bekommt (vorausgesetzt, es sind keine Bindungsstörungen oder andere Störfelder zu erkennen). Was ich sagen will ist: Ja ich bin der Ansicht, Frauen sind anders als Männer, und das ist keine Einstellungssache. Natürlich dürfen Frauen arbeiten, was sie wollen. Sie dürfen entscheiden, wie sie leben wollen. Versteht mich nicht falsch. Ich stehe total auf Emanzipation. Doch eine Frau darf auch sagen dürfen, wenn sie lieber eine Mutter sein will, die für ihre Kinder zuhause bleibt, das Mittagessen kocht, die Wohnung sauber hält. Es muss jeder Frau selbst überlassen bleiben, wie sie ihren Nachwuchs erzieht. Dem Vater steht diese Freiheit selbstverständlich auch zu, jedoch es geht ja gerade um die Rolle der Frau.

Frauen unterliegen Zyklen, und sie können manche Aufgaben besser oder sagen wir anders bewältigen als Männer. Um vor einer starken Frau Respekt haben zu können, muss jeder Mann erst einmal Respekt vor dem Frausein haben können. Da liegt ein gewisser Unterschied.

Wir Frauen haben es weit geschafft, inzwischen haben wir Wahlrecht, wir haben vielfältige Entscheidungsrechte über unser Leben und wir können finanziell unabhängig sein, wenn wir es wollen.

Doch es gibt Männer, die die Frau wohl eher als Lustobjekt betrachten – immernoch oder schon wieder. Zumindest wenn ich nach den Vorkommnissen auf dem Kölner Hauptbahnhof urteilen soll. Welcher Nationalität diese Männer angehören, das spielt für mich überhaupt keine Rolle. Ich verachte zutiefst, was in der Silvesternacht mit den vielen Frauen geschah, die eingekesselt, begrapscht und gedemütigt wurden. Ähnliches gilt für die Vorfälle in Hamburg, die sich in ihrer Art und Weise gleichen.

Wir Frauen haben Rechte und niemand auf der Welt hat uns gegen unseren Willen sexuell zu demütigen. Egal welcher Religion eine Frau angehört, wo und wie sie lebt, egal woran sie glaubt oder auch nicht, wir haben hier in Deutschland lange gekämpft, um als Frauen heutzutage so autark auftreten zu können, wie wir es tun. Dazu gehört auch, im Minirock herumzulaufen oder einem aufreizenden Oberteil, da die Männer bei uns lernen mussten, Respekt vor uns zu haben. Viele Männer tun sich bis heute schwer damit und das unabhängig von jeder Herkunft.

Es gibt sie immer noch, die Herren der Schöpfung, die sich nicht zu benehmen wissen, und dieser oder jener Dame zuleibe rücken. Gerade bei Dorffesten ist das kein Einzelfall und ich möchte nicht wissen, wie oft über derartige Aufdringlichkeit aus Scham noch immer geschwiegen wird.

Ein noch viel heikleres Thema sind heranwachsende Frauen mit ihrem bekannten „Lolita-Effekt“, aber auch davon will heutzutage niemand mehr etwas hören. In einer schizophrenen Welt von political correctness reden wir vor lauter Emanzipation weder über die (naturgegebenen) Unterschiede von Mann und Frau, noch über sexuelle Tabuthemen – schon gar nicht über die Pubertät und ihre stürmischen Learning-by-doing-Abschnitte. ( Irgendwann beginnt jeder, „es“ auszuprobieren?)

Es gibt ohnehin wie weiter oben angeschnitten große kulturelle Unterschiede zwischen ehemaliger DDR – Erziehung und der Erziehung in der ehemaligen BRD. So wurden Kinder im Osten weitaus weniger geschlechtsspezifisch erzogen, andererseits gab es in der DDR keine Kindergärtner ( bitte berichtigt mich, falls ich falsch liege). Es gab Vor – und Nachteile auf allen Seiten, doch es ist nach der Wiedervereinigung trotzdem ein großer Schmelztiegel mit den verschiedensten Ansichten zum Frausein und Mannsein, zur Sexualität, zur Rolle der Frau und Mutter entstanden. Vielleicht ein schleichender Prozess, den viele zwar „irgendwie“ bemerken, jedoch wenige nur so wie ich auf die zwei deutschen Kulturen zurückführen.

Jetzt kommt dazu jedoch ein weiteres Phänomen. Die jungen Leute gleichen sich einander an. Frauen wollen heutzutage finanziell unabhängig sein, ob sie Kinder wollen, steht eh in den Sternen. Und wenn, dann spät…
Ältere Mütter wie ich wiederum wollen keine Krippenkinder mehr großziehen, sondern legen Wert auf die drei wichtigsten Prägejahre zuhause bei der Mama. Hier streiten und zerfleischen sich die Frauen von heute öffentlich in den sozialen Netzwerken untereinander, welche von allen wohl das beste Mutterdasein führt. Wie albern und doch scheint es ja ein wichtiges Thema zu sein. Sich damit auseinanderzusetzen, ist ja erst einmal gut.

Und nun kommt dort hi8nzu noch eine dritte Kategorie zum Thema „Die Rolle der Frau“. Frauen als Lustobjekte, als Dienerinnen und als Gebärmaschinen – Mensch zweiter Klasse unter Gott und neben dem Manne.

Bevor hier manche wieder versuchen, politisch zu diskutieren. Ich rede von keiner besonderen Religion und keiner bestimmten Nationalität. Wären alle Männer hierzulande Lämmchen, gäbe es keine Frauenhäuser. Und das Wahlrecht gibt es für die deutsche Frau erst seit 1918. Und ich rede dabei noch nicht von ganz Europa.

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Quelle: Landeszentrale für politische Bildung Baden-Würtemberg

Wir Europäer sind damit noch gar nicht so lange so emanzipiert, wie wir vielleicht glauben. Unsere Väter hatten noch ihre eigenen Vorstellungen von „ihrer“ Frau, dass kann heutzutage jeder auf der Straße an den älteren Generationen beobachten.

Doch trotzdem ist eine klassische Rollenverteilung in der Beziehung oder Ehe nicht gleichzusetzen mit dem, was Silvester passierte!

Wir sind kein Vieh! Wer Frauen an Busen oder Hintern fasst ohne deren Erlaubnis, handelt respektlos. Alle weiteren, viel schlimmeren Details möchte ich hier nicht nennen. Sexuelle Nötigung im „Rudel“, dass gehört vor einen Richter! Aber noch viel wichtiger ist die Frage, sind solche Männer überhaupt zu rehabilitieren? Ist Wertschätzung gegenüber Frauen erlernbar? Wieviele Generationen wird es noch brauchen, ehe die Frau mit ihrem intelligentem, zauberhaftem, aber auch stolzem und starkem Wesen gesehen und erkannt wird? Als Mütter eurer aller Töchter und Söhne, die unter Schmerzen auf die Welt gebracht wurden?

 

In dem Sinne, schockierte Grüße aus Leipzig und Mitgefühl mit den Opfern,

Hier steht eigentlich meine Unterschrift

 

 

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Bulgare findet in Zwickau neue Heimat

Bulgare findet in Zwickau neue Heimat
Juana Kreßner / pixelio.de

Am 3. Oktober jährt sich die Wiedervereinigung zum 25. Mal. Aus diesem Anlass haben junge Leute aus Zwickau 25 Zeitzeugen befragt. Einer von ihnen ist Stefan Kolev – der Bulgare lehrt als Professor an der WHZ. Eine 21-Jährige hat ihn porträtiert.

Von Sara Voigt*
erschienen am 30.09.2015

Zwickau. Stefan Kolev, geboren in Bulgarien, kann sich noch genau daran erinnern, dass er am 9. November 1989 bei seinen Großeltern war. Sein Opa sagte mit Blick auf den Fernseher: „Ach, in Berlin tut sich etwas.“ Am Tag darauf stürzt auch das sozialistische Regime in Bulgarien in sich zusammen. Noch heute sieht sich Stefan Kolev als Kind bei einer der größten Kundgebungen in Sofia im Juni 1990 auf den Schultern seines Vaters sitzen – inmitten von einer Million Menschen.

Dass eine neue Zeit angebrochen ist, merkt er vor allem im Klassenzimmer. Stefan Kolev geht damals auf die Deutsche Schule in Sofia und hat Kontakt zu ost- wie westdeutschen Lehrern. Doch schnell wird deutlich, dass die alten Eliten die neuen Zeiten für sich zu nutzen wissen. „Aus den sozialistischen Funktionären der Partei und ihrer Satellitenorganisationen wurden einfach kapitalistische Unternehmer“, sagt er. In diesem System will er nicht leben. Kaum hat er mit 18 Jahren sein deutsches Abitur in der Tasche, geht er nach Hamburg.

Dort kann der gebürtige Bulgare studieren, als Volkswirt promovieren, erhält Stipendien und verdient mitunter in der Stunde mehr als seine Eltern pro Woche in Bulgarien – als Ärzte. „Die Bundesrepublik oder Westdeutschland, wie es damals hieß, war von Bulgarien aus geradezu ein Synonym für das Paradies“, erinnert er sich. Und auch für ihn sind die zehn Jahre in Hamburg eine tolle Zeit. Er wird sehr gut aufgenommen, fühlt sich nur in ganz wenigen Situationen als Ausländer. Als es ihn beruflich in den Osten verschlägt, zunächst nach Erfurt und vor drei Jahren nach Zwickau, bedauern ihn Freunde und Familie für den „Rückschritt“, den er selbst jedoch nicht als solchen empfindet.

Die Distanz ist seinem Empfinden nach aber größer, wenn die Menschen am Akzent merken, dass er kein Sachse ist. Diese Unterschiede in der Mentalität, diesen Umgang mit dem „Anders sein“ führt der Professor der Westsächsischen Hochschule Zwickau auf die unterschiedliche Sozialisation zurück.

In einem Forschungsprojekt beschäftigt er sich mit der DDR-Planwirtschaft. Während der Westen schon lange mit permanenten Veränderungen im Wirtschaftsalltag lebt, neigen ehemalige DDR-Bürger eher dazu, Neues als Bedrohung wahrzunehmen. Dabei kann der Osten stolz auf sich sein: Die deutsche Wiedervereinigung ist nach Meinung von Stefan Kolev eine große Erfolgsgeschichte, auch wenn immer wieder Fehler gemacht wurden. Den neuen Bundesländern ist erspart geblieben, was Ländern wie Bulgarien passiert ist: Dass die alten Eliten unter neuen Vorzeichen einfach weiter machen wie bisher.

Ostdeutschland betrachtet Stefan Kolev als „Paradebeispiel für eine Schocktherapie“: Innerhalb von wenigen Monaten wurde das Land komplett umgekrempelt. Das ist nicht ohne Probleme abgelaufen, aber im Gegensatz dazu hat sich in seiner Heimat vieles überhaupt nicht verändert. 25 Jahre nach dem Zusammenbruch des Ostblocks sitzen oft dieselben Menschen und Netzwerke in Machtpositionen. „Bei aller Kritik, die man an die Nachwendezeit in den neuen Bundesländern äußern muss, ist das ein Schicksal, dass der jungen Generation hier erspart geblieben ist.“

In Bulgarien sieht nach außen hin alles bunt, modern und westlich aus. Doch hinter der Fassade haben die alten Seilschaften die Wende gut überlebt, ist die Gesellschaft nach dem Aufbruch der 1990er-Jahre wieder eine oft geschlossene Gesellschaft, deren alte Muster Bestand haben und reproduziert werden. Wer nicht die richtigen Leute kennt, hat aus eigener Anstrengung deutlich schlechtere Karten. An eine wirkliche bulgarische Wende glaubt Stefan Kolev daher kaum, auch eine Rückkehr schließt er aus diesem Grund nahezu aus. Deshalb wandern seiner Meinung nach auch heute noch so viele Bulgaren aus – nicht nur weil ihr Land arm ist, sondern weil es ihnen nicht genügend Aufstiegschancen bietet.

Der Professor kann zwar aus psychologischen Gründen verstehen, dass sich insbesondere ältere Menschen die DDR und damit ein Stück weit ihre Jugend zurückwünschen. Doch er stellt die Behauptung auf, dass „wir in der Geschichte nie in einer freieren und besseren Welt gelebt haben.“ Das sollten wir zu schätzen wissen. Denn der verklärende Rückblick sei kein fairer Blick zurück. Es stimme nicht, dass alle gleich waren und alle Arbeit hatten und alles so „kuschelig“ war. Die DDR war in den Augen von Stefan Kolev vor allem eines: ein Gefängnis.

*Die Autorin Sara Voigt (21) gehört zu einem Team von jungen Zwickauern zwischen 14 und 27 Jahren, die sich in einem medienpädagogischen Projekt mit der Deutschen Einheit befasst haben.

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Wer ordentlich ist, ist nur zu faul zum Suchen

Oder irgendwie so ähnlich.
Fakt ist: Wer einen chaotischen Partner hat, der muß wohl notgedrungen damit klarkommen. Wer allerdings kleine Kinder hat, dem ist meist eine gewohnte Unordnung ganz vertraut.

Das kommt offensichtlich darauf an, wie kreativ die Kinder sind – und wie ordentlich die Eltern.

Unordnung ist meiner Ansicht nach nicht nur eine Frage der Erziehung, sondern des Charakters. Ich erinnere mich noch sehr genau daran, daß ich als kleines Mädchen meine Anziehsachen brav zusammengelegt habe und abends auf meinen Stuhl getan. Denn ich wollte früh lieber ein paar Minuten länger schlafen können und nicht die knappe Zeit damit verbringen, Klamotten zu suchen.

Leider war das mit zwei Brüdern nicht sehr einfach. Der Große ging einen steilen Weg auf die Pubertät zu, der kleine interessierte sich mehr für sein warmes Milchfläschchen. Der Platzmangel vor Umbau des Hauses tat auch sein Übriges. Denn wer mit anderen auf engstem Raum zusammen lebt, der muß sich den Gegebenheiten ganz anders anpassen.

Diese Eigenschaft habe ich offensichtlich bis heute beibehalten. An meine Tochter habe ich jedoch weder diese Besonderheit weiter vererbt noch das Ordnungs-Gen.

Ich hoffe auf ein großes Wunder, aber ich befürchte, das Leben wird mich lauthals auslachen. Vor allem dann, wenn sie irgendwann in die Pubertät kommt.

Was kostet die Welt

Ja, die Pubertät. Da ist alles anders und im Ausnahmezustand. Dementsprechend sehen oft auch die Zimmer der Heranwachsenden aus. Meine Eltern verstanden das damals nicht. Ich hatte schlichtweg keine Zeit, aufzuräumen. Es gab echt Wichtigeres. Mit Freunden abhängen. Ins Kino gehen. Der erste Liebeskummer. So Sachen halt.

Zuhause war ich in der Zeit selten und mein Zimmer war eine Art riesige Aufbewahrungsbox. Es hielt sich aber in Grenzen. Schlimmer war es, als ich mein Zimmer noch teilen mußte. Zuerst mit der großen Variante von Bruder. Der klaute sich schonmal meinen Zirkel und mein Lineal für die Schule, weil er seine Sachen schlichtweg nicht fand. Den Eintrag ins Hausaufgabenheft bekam dann ich.

Jungs sind schon komisch. Socken hier, Pullover da – in Häufchen vor dem Bett, egal was die Mama sagt. Es gab Zank und Tränen, denn ich wollte wirklich meine Ruhe. Doch ein eigenes Zimmer bekam ich  trotzdem nicht.

Die geniale Lösung des Problems sah anders aus:

Großer Bruder raus, der Kleine rein. Da blieb es nicht bei Söckchenhaufen.

Es war viel schlimmer. Er krallte sich alles aus meinem Regal, was er fassen konnte, bekritzelte meine Hausaufgaben und zerstreute sein gesamtes Spielzeug auf dem Fußboden. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ich keinen Weg mehr zu meinem Bereich im Zimmer fand, ohne auf irgend etwas zu treten.

Mütter und Söhne

Wer sich wie ich Gedanken um die tägliche Unordnung in seinem Leben macht, der schielt auch hin und wieder nach den Ursachen. Weshalb bin nur ich diejenige, die das Auto aussaugt oder die Fenster putzt?

Manche Menschen besitzen das Talent, da wo sie auch nur stehen, Chaos zu hinterlassen. Kommoden dienen als komplette Ablagefläche. Wenn die voll ist, wird die Schrankwand als Lagerstelle zweckentfremdet.

Im Flur türmt sich die neueste Steine-Sammlung auf meinem Schreibtisch – die lagen doch vorhin noch nicht da? Schraubenzieher auf dem Tisch und Spielzeug auf dem Fußboden. Hier braucht es einen General!

Es ist nicht immer einfach, ruhig zu bleiben. Natürlich strahlt das Glück der Liebe in mein Herz und läßt mich verständnisvoll über das Chaos blicken. Augenscheinlich zumindest. In Wahrheit fühle ich mich zurückversetzt in das Jahr 1987 und später. Was mache ich nur falsch?

Gelassen sehen? Aber selbstverständlich bin ich die relaxteste Mutter und Hausfrau…äh… Frau, die es gibt.

Dennoch sinniere ich oft über die Ursachen. Sind tatsächlich alle Männer unfähig, einen Haushalt zu organisieren? Haben die Mütter bei ihren Söhnen in der Erziehung etwas falsch gemacht?

Eine Freundin vertraute mir vor einiger Zeit einmal an, daß sie sich manchmal fühlt wie ein Aschenbrödel. Eine andere sagt, sie fährt das Putzfrauenauto und ihr Freund das tolle. Anspielungen, die mich nachdenklich machen.

Ich bin auf einer ganz heißen Spur! Männer sind tatsächlich oft so, wie die Mama es ihnen beigebracht hat. Was für eine gruselige Vorstellung! Denn ich wette, die meisten mussten keinen Lappen im Haushalt schwingen.

Die berühmtesten „Such-mich-Verstecke“

Vielleicht kennt ihr das Phänomen. Das was gesucht wird, kurz bevor es zur Haustür hinaus geht, ist meist an verschiedenen, aber doch bekannten Stellen wieder zu finden.

1. Meine Schlüssel liegen desöfteren im Kühlschrank.

Das hat zwei Gründe. Erstens, bevor wir wegfahren, räume ich oft noch schnell Sachen auf. Ich mag es nicht, in eine unaufgeräumte Wohnung heim zu kommen.

Unter anderem stelle ich dann auch Dinge vom Tisch in den Kühlschrank.

Die zweite Ursache ist, dass ich manchmal kurz vorher noch etwas trinke. Beide Male bleibt dann der Schlüssel, den ich zum Abschließen schon in der Hand hatte, im Kühlschrank liegen.

Wenn er also nicht da hängt, wo er hängen soll, laufen wir automatisch zum Kühlschrank.

2. Wo ist mein Autoschlüssel?

In Schichten arbeiten, Terminen nachkommen, von Berufswegen mit dem Auto unterwegs sein, das Kind zum Kindergarten schaffen, Papier wegbringen …. das ist so die Kurzform unseres Eltern-Daseins. Mitzwei Auto´s ist es nicht immer unkompliziert, auch wenn man es denken mag.

Je nachdem, wie weit ich fahre, wie schnell ich da sein muß und was ich vorhabe, wechsel ich von meinem in das Auto meines Mannes. Das beginnt eigentlich schon damit, ein k-inderfahrrad mit Stützrädern in einen winzigen Kofferraum einer alten Blechkarre zu stopfen. Klappt nicht. Großes Auto muß her.

Fliegender Wechsel sozusagen. Da verschwinden die Autoschlüssel schon mal im Alltagsnirwana. Oder noch vielsimpler in Hosentaschen. Neue Hose = totales Chaois. Da wir alle sehr temperamentvoll sind und leicht an die Decke gehen, reicht so eine Streßsituation kurz vor dem Wegfahren, um durch diese blöde Suche nach dem Autoschlüssel schlechte Laune zu bekommen.

Wenn es also heißt, Autoschlüssel suchen, dann schauen wir zuerst in Hosen- und Jackentaschen nach.

3. Wo ist meine Mütze?

Ganz ehrlich. Sie hat wirklich ein großes Mützenproblem. Töchterchen bekam schon einen ganz süßen, bunten Beutel an die Garderobe gehängt mit sehr vielen Mützen und Käppi´s. (Heißt übrigens nicht so, es heißt „Basecap, Mama“!)

Ich bin praktisch veranlagt und versuche einfach zu ordnen, was irgendwie zu ordnen geht. Doch aus irgend einem Grund ist genau die Kopfbedeckung, die wir an dem Tag brauchen, nicht in diesem verflixten Beutel. Und ganz sicher auch keine 20 Meter drumherum.

Beliebte Verstecke bzw. Ablageflächen für Mützen sind auf jeden Fall die zwei Autos, der Kindersitz oder der Kofferraum, ihr Rucksack, das Ablagefach im Kindergarten oder die Gartenlaube. Da wird es wirklich schon dramatisch.

Könnt ihr euch vorstellen, wie lange wir brauchen, um aus dem Haus zu kommen, wenn

a) die Mütze vielleicht im Auto liegt

b) der Autoschlüssel vielleicht in einer Hosentasche steckt und

c) wir zum Schluß den Wohnungsschlüssel suchen?

4. Wo sind Haarspangen und Zopfgummi?

Wer Mädchen zuhause hat, kennt es vielleicht. Wir haben einen wirklich riesigen Verschleiß an besagten Artikeln. Egal, wieviele ich davon nachkaufe, nach spätestens zwei Wochen stehen wir früh da und finden weder Haarspangen noch Zopfgummis. Die sind meistens leider auch unauffindbar.

Als Versteck dient dennoch das Kinderzimmer. Die Haare von Puppen sind generell verschönert. Und nicht nur mit Haarspangen. Aber dazu später mehr.

Verzweifelt also nicht, wenn der Haushalt nicht so geleckt aussieht, wie ihr es gerne hättet. Es gibt eben auch Familien, wo nicht alles an seinem Platz steht. Vom Boden essen kann man nicht, aber wozu gibt es Tische? Und das Leben zu genießen, kann manchmal auch entspannender als Putzen sein!
Ich wünsche euch einen wunderschönen stressfreien Freitag.

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Der feine Unterschied zwischen Selbstbewusstsein und Egoismus

Der feine Unterschied zwischen Selbstbewusstsein und Egoismus
NicoLeHe / pixelio.de

Kennst du diesen Satz, wenn du jemandem von einem Problem erzählst, dass du hast und das Gegenüber knallt dir die berühmte Antwort vor die Füße:

“Du hast nicht genügend Selbstbewusstsein – es kann dir doch egal sein, was andere über dich denken!“

Falsch!

Keinem ist egal, was andere über einen denken. Der Mensch ist ein soziales „Tier“ – und braucht die Interaktion mit anderen Menschen, den Austausch, die Berührung, die Gemeinschaftlichkeit – aber auch den Wettkampf, die Abgrenzung und die Individuation. Alles das macht uns aus – und nicht nur uns, auch in der Tierwelt ist das nicht viel anders.

Doch was die wenigsten wissen ist, dass sich das Selbstbewusstsein aus dem Selbstvertrauen und dem Selbstwertgefühl zusammensetzt. Während das Selbstvertrauen aussagt, wie sehr du dir selbst vertraust- also deiner Wahrnehmung, deinen Gefühlen und Gedanken, deinem Wertesystem, deinen Talenten, deinem Können; so erzählt dir das Selbstwertgefühl, wie viel du dir selber wert bist.

Das Selbstvertrauen ist also deine innere, persönliche Bewertung – das Selbstwertgefühl ist eher eine Bewertung, die du dir durch das Erleben mit deiner Umwelt abgespeichert hast. Der Selbstwert ist also auch davon abhängig, wie sehr dich andere bestätigen oder ablehnen.

Und ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: Was andere über uns denken, ist für unseren Selbstwert sehr wichtig.

Wird der Selbstwert beispielsweise über Jahre untergraben, zum Beispiel durch Mobbingsituationen, aber auch durch andere traumatische Erlebnisse – so kann durchaus auch irgendwann das Selbstvertrauen erschüttert werden.

Wenn die Bewertung durch „außen“ beispielsweise stets schlechter ausfällt als die Bewertung durch „innen“ – so versucht unsere Psyche diesen merkwürdigen Umstand unter einen Hut zu bekommen, einen Ausgleich hinzubekommen. Wer eine zu große Spanne zwischen dem Selbstwertgefühl und dem Selbstvertrauen erlebt, sollte sich auch entsprechende Unterstützung und Hilfe durch einen Psychologen holen.

Nur ruhig Blut, sich selbst zu reflektieren, sich zu hinterfragen, seine eigenen Handlungen noch einmal zu überdenken, damit der Umgang mit dem Umfeld besser läuft, gehört zu einem gesunden Selbstbewusstsein dazu. Wer sich selbst gut einschätzen kann, sich seiner selbst bewusst ist – der findet auch eine Lösung für jedes noch so brenzlige Problem.

Doch es gibt Menschen, die verstehen unter Selbstbewusstsein etwas ganz anderes: nämlich, egoistisch zu sein.

Egoismus bedeutet, „seinen Weg zu gehen“, ohne nach links oder rechts zu sehen. Der Egoist schätzt im Gegensatz zum selbstbewussten Menschen keine Konversation, keinen Meinungsaustausch – sondern, er macht einfach, was er will. Andere Menschen und ihre Gefühle sind nicht wichtig, es geht nicht darum, Gemeinschaftlichkeit zu leben, sondern darum das verletzte „Ich“ zu retten, koste es, was es wolle.

Der feine Unterschied zum selbstbewussten Menschen ist der, dass sich Egoisten scheinbar tatsächlich keine Gedanken darüber machen, was andere von ihnen halten. In Wahrheit aber sieht das Ganze anders aus: Der Egoist macht sich viel zu viele Gedanken darum, wie andere ihn sehen – er bewertet sich aber schlecht und hat eine rigorose Strategie gefunden, zu „überleben“. Er mauert einfach und blendet so ziemlich jede Regung, die von „außen“ an ihn herandringt, aus.

Egoismus könnte also auch schon als behandlungsbedürftig bezeichnet werden.

Leider wird Egoismus von Hobbypsychologen und Laien sehr oft nicht nur mit Selbstbewusstsein verwechselt, nein noch schlimmer! Selbstbewusste Menschen sollen am besten egoistisch werden – indem man ihnen mangelnden Selbstwert unterstellt.

Das ist wirklich fatal und kann sogar recht gefährlich werden. In unserer heutigen Zeit gibt es viel mehr Egoisten, die die Ellenbogen ausfahren, statt sich auszutauschen. Du erkennst sie auch daran, dass Kritik scheinbar total an ihnen abprallt, sie jedoch in Wahrheit zutiefst darüber gekränkt sind. Wer kein Selbstvertrauen besitzt, hat einen sehr empfindlichen inneren Kern. Dieses innere kleine Kind wurde nie wirklich bestärkt und beschützt, war nur Drohungen oder Strafen ausgesetzt, auf jeden Fall kontinuierlichen Maßregelungen – oder aber es wurde überbehütet, in Watte gepackt und durfte nie eigenständig werden. Beiden Typen ist gleich, dass jemand anderes ihnen etwas übergestülpt hat, was sie nicht selber sind, sie konnten nie ein Selbstvertrauen entwickeln.

Den Selbstwert jedoch haben sie sich meist erkämpft, indem sie beruflich erfolgreich sind, meistens richtige Workaholics, die ohne Arbeit gar nicht können, oft auch Perfektionisten (was durchaus auch ausarten kann in zwanghafte Störungen), Menschen, die gern alles und jeden unter Kontrolle haben und die natürlich ihren Weg gehen – stark und unabhängig.

Deshalb werden sie oft bewundert für ihr „Selbstbewusstsein“.

Wenn Menschen dir mit ihrem Verhalten Probleme bereiten und du dir darüber jede Menge Gedanken machst, heißt das nicht sofort, dass du nicht selbstbewusst bist. Es zeigt nur, dass du eine Lösung für das Problem suchst, dass du auch in der Lage bist, dich selbst zu hinterfragen („könnte es an mir liegen, dass die Situationen eskalieren“) und dass du deine bisherigen Erfahrungen im Umgang mit deinen Mitmenschen mit der zur Zeit vorherrschenden belastenden Situation vergleichst, sozusagen Schritt für Schritt abgleichst.

Solche Prozesse können viel Zeit durchlaufen, jeder Mensch ist unterschiedlich.

Aufpassen muss man nur, wenn sich keine Lösung findet, der „Abgleich“ stattgefunden hat und du an dir nichts Außergewöhnliches feststellen konntest, was dieses oder jenes Verhalten am Gegenüber auslöst. Dann wird es Zeit für Alternativen: Je nach Situation entweder den Austausch, die Diskussion suchen oder den Rückzug antreten, um sich selber zu schützen. Die dritte Position wäre das vermittelnde Verhalten, Kompromisse zu finden, auch ohne das Gegenüber.

Aber bitte mit einem gesunden Selbstbewusstsein – und ohne ungesunden Egoismus.

Eine wundervolle Selbsterfahrung wünscht

Hier steht eigentlich meine Unterschrift

 

Beitragsbild:  NicoLeHe  / pixelio.de

 

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Das Jahrhundert der Angst

Das Jahrhundert der Angst
NCC Text & Medien

Die Neunziger waren unbeschreiblich aufregend.

Jeder träumte von der großen Freiheit und vielen unbegrenzten Möglichkeiten.
Wir Jugendlichen nahmen wahrscheinlich die Existenzängste der Eltern nicht wahr, denn uns stand die Welt offen.
Nach der Herauslösung aus ideologischen Bildungsinhalten der zerfallenen DDR wurden wir Stück für Stück mit dem neuen Schulsystem vertraut und gingen unseren Weg.
Halb Kind, halb Teenie fallen solche Umwälzungen nicht sehr schwer. Abgesehen von der Pubertät, die wahrscheinlich sehr viele von uns als ziemlich antiautoritär wahrnahmen, haben sich doch die meisten hinüber gerettet in die neue Welt.

Niemand wusste, wohin der Weg führen würde, geschweige denn, welche Windungen und Kurven da noch vor allen lagen.
Die Neunziger sind für mich Sinnbild einer Selbfindungsphase. Jedoch nicht (nur) meiner, sondern die einer ganzen Generation.

Freiheit, Freiheit hieß es damals. Heute heißt es Angst.

Von der Euphorie blieb nichts da. Denn dieses Jahrhundert scheint mir eher geprägt von Angst, Verzweiflung, Zerwürfnis und Schwere zu sein.
Ein Internetzeitalter ist angebrochen, was die Köpfe der meisten Menschen nicht verstehen. Evolutionsbedingt sind diese vielen Informationen der Rund-um-die-Uhr-Vernetzung wahrscheinlich für die meisten menschlichen Gehirne zu viel. Das meine ich weder arrogant noch ironisch, es ist mein Ernst.
Viele Menschen tragen vor allem eins in sich: Sorgen.
Das Internet kann nichts dafür, dennoch wird vielleicht so manchem erst durch die Interaktivität bewusst, wie die Welt wirklich ist und die Menschen, die in ihr leben.
Angst vor Flüchtlingen. Angst, den Job zu verlieren und in ein menschenunwürdiges Dasein abzurutschen. Angst, dem stets noch höherem Druck gewachsen zu sein. Angst vor Mobbing. Angst, hinten an zu stehen. Angst auch um die Kinder. Vor dem Versagen. Vor Verbrechen. Vor dem finanziellen oder wirtschaftlichen Crash. Vor dem Fanatismus, vor dem Unperfektsein, vor der Zukunft.

Ich beobachte in letzter Zeit eine sehr dramatische Wende in der Gesellschaft.

Seit Jahren empfinde ich einen riesigen Umwälzungsprozeß, in dem wir alle uns befinden, der rein gefühlsmäßig mit Worten nicht zu erklären ist.
Jede Menge Themen stehen im Fokus einer Gesellschaft, die nicht weiß, wohin sie laufen soll. Ob sie überhaupt laufen soll. Ob sie lieber innehalten und sich auf alte Werte besinnen soll. Oder damit den Fortschritt hemmt…
Es gibt auch eine enorme Spaltung im Denkprozess, ein Schwarz-Weiß-Weiß-Denken, welches durch die Medien oft genug noch Futter findet.

Arm oder reich, schlecht oder gut, krank oder gesund… Jede Spaltung dieser Art führt natürlich nicht zusammen, was zusammen gehört. Es ist gefährlich, sich nur auf eine Sichtweise zu verlassen, ohne den Horizont zu erweitern und über den sprichwörtlichen Tellerrand hinaus zu schauen.

Jedoch Angst ist ein schlechter Ratgeber, um Entscheidungen zu treffen und lähmt unsere Gesellschaft.

Wer nicht mehr fröhlich sein kann, wird depressiv. Ein Burnout des sozialen Gedankens rollt auf uns zu.

Vielleicht ist es meine subjektive Empfindung, dass sich hier große Extreme in den einzelnen Gesellschaftsschichten herauskristallisieren. Normalerweise bin ich immer bestrebt, meine Behauptungen auch sachlich zu untermauern.

In diesem Fall geht es jedoch nur um mein Gefühl. Es sagt mir, dass wir alle dem Druck in der Arbeitswelt nicht standhalten werden, denn Menschen sind keine Maschinen. Auch wenn es um das große Geld geht, so kann jeder Mensch nur ein bestimmtes Arbeitspensum schaffen.

Heutzutage ist fast jeder im Schichtdienst beschäftigt. Daran zerbrechen Familien. Der Kitt unseres Systems bröselt.

Die Neunziger waren ein so euphorisches Jahrhundert. Ich sehne mich zurück nach den vielen Ideen, wie wir alle eine bessere Welt gestalten können. Heutzutage haben mehr Menschen Angst vor Krieg, als damals – da gab es „nur“ Kapitalismus gegen Sozialismus.

Jetzt gibt es Gefahren, die lauern scheinbar überall. Eine Art Systemparanoia.

Die Verschwörungstheoretiker wissen es für sich zu nutzen und die Esoteriker auch.

Wer heutzutage kein stabiles inneres Wertesystem besitzt, wird mitgerissen von dieser erdrückenden Angst. Oder er befindet sich in einem Hamsterrad aus Hetzerei und Stress, viel Arbeit und wenig Freizeit. Immer verfügbar zu sein, ist ein gewaltiger Nachteil der Erfindung „Smartphone“.

Wer dazu aufruft, die Menschlichkeit nicht zu verlieren und einen Moment lang den Geldgedanken beiseite zu schieben, der wird als Gutmensch beschimpft. Wer dieses Wort als Schimpfwort nutzt, sollte ohnehin über sich nachdenken.

Andererseits steckt irgendwo immer ein Fünkchen Wahrheit und die Leute schäumen über, wenn sie sehen, dass Kindergärten geschlossen und Flüchtlingsheime hergerichtet werden. Polemik? Ja, es mag sein. Das Volk hat nicht studiert und setzt sich mit dem auseinander, was es vor die Nase gesetzt bekommt.

Wo welche Gelder hinfließen, was wie finanziert wird – das verstehen viele nicht. Denn es wird von den Politikern nicht sehr transparent in die Masse transportiert, dass verschiedene Gelder aus verschiedenen Pötten kommen.

Bildung schadet dabei ganz sicher nicht. Ich möchte auch niemanden verteidigen, der nur motzt und meckert, sich aber nicht informiert. Dennoch besteht unsere Gesellschaft aus den unterschiedlichsten Bildungsschichten und jedem sollte es in etwa nachvollziehbar sein, warum kein Geld für die Kinder in unserem Land da ist.

Wer hier schlau ist, bekommt genug Schafe hinter sich, um eine Revolution auszulösen. Die Frage ist nur, wem rennen die verschiedenen Gruppen dann nach.

Die einen glauben an die Wirkung von Globuli und verteufeln die Schulmedizin. Die anderen bestehen auf einer Verschwörung der Pharmaindustrie, welche mit Medikamenten Kinder und Erwachsene bewusst erkranken lassen soll. Aus reiner Profitgier.

Wieder andere sehen die große Gefahr in den Islamisten, und die, die sie dort nicht sehen – die richten ihren Blick über den großen See. Egal, mit wem ich rede oder was ich lese, früher oder später treffe ich auf Kontroversen, die ich tagelang erst einmal gedanklich auseinander nehmen muss, damit ich selbst weiß, wo ich stehe.

Ist es naiv, glücklich sein zu wollen?

Hin und wieder lehne ich mich bewusst zurück. Ich möchte gerne den Kopf freibekommen von den verschiedenen Sichtweisen. Meine Beobachtungen würde ich manchmal lieber ins Reich eines Science-Fiction-Romans verbannen. Es muss doch möglich sein, das Leben zu genießen und sein Kind glücklich aufwachsen zu sehen, ohne als naiv zu gelten.

Wo kommen wir als Eltern denn hin, wenn wir unseren Kindern ein so schlechtes Weltbild vermitteln?

Garantiert in Teufels Küche. Doch der soll sein Süppchen mal schön ohne mich kochen.

Die nächsten Tage begebe ich mich in die Natur und lasse den Medien-Mainstream nicht an mich heran. Vielleicht lindert das ein wenig den Weltschmerz. Leider kann niemand die ganze Welt verändern – diesen Spruch hörte ich schon als Kind sehr oft.

Ich antwortete dann immer trotzig, ich allein vielleicht nicht, aber wenn viele meiner Meinung sind…“

Ja, vielleicht schaffst du das eines Tages, murmelte eine sanfte Stimme zurück und ich spürte den Blick ernster, blauer Augen auf mir ruhen. Ihr seid eine Generation, die das schaffen könnte.

Nein, es ist nicht naiv – zu lächeln und Spaß am Leben zu haben. Nur wer nicht nachdenkt, ist gefährlich. Alles andere ist erlaubt.

In dem Sinne, eine stressfreie Woche ohne Angst vor…was auch immer

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Fantasie der Liebe

Fantasie der Liebe
Ich habe eins gelernt, das Leben ist richtig schön,
 wenn deine Augen verstehen mit Liebe alles zu sehen
 und wenn auch dein Herz schlägt, so unbändig und wild
 für das, was du liebst, mehr als alles andere auf der Welt.
Liebe und Verständnis hüllen dich sanft ein
 und selbst wenn´s dir schlecht geht, wirst du niemals alleine sein
 denn die Kraft der Hoffnung und des Vertrauens tragen
 dich immer sanft und zärtlich in allen Lebenslagen.
Eine liebevolle Umarmung und die Augen strahlen
 die Fantasie der Liebe kann dir schöne Bilder malen.
 Niemals mehr im Leben will ich ohne all` das sein
 Denn die Kraft der Liebe zaubert aus Wasser Wein.

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Warten auf ein Zeichen

Warten auf ein Zeichen

Das ist so einer der Tage, an denen man sich eigentlich freuen müsste

Die Sonne scheint hell und warm, um nicht zu sagen, sie prasselt vom Himmel herunter.
Das was bleibt, ist, sich schnell in den Schatten zu flüchten und möglichst kein Auto zu fahren. Vor allem dann nicht, wenn sich die alte Blechdose auf seinem sonnigen Parkplätzchen aufgeheizt hat. Da löst schon der Gedanke, damit zu fahren, Schweißausbrüche aus.
Die To-Do-Einkaufsliste ist im Geiste längst abgehakt.
Gurke, Butter, Milch, Filtertüten, Wasser, Wurst.
Keinen Grund gibt es, jetzt ins Auto zu steigen.
Die Zeit ist prima zu nutzen, um einen Moment inne zu halten…dem fröhlichen Vogelgezwitscher zuzuhören…bis das nächste laute Brummen eines vorbeifahrenden PKW die Atmosphäre zerschneidet. Ruhe, Auto, Ruhe…

Plötzlich höre ich Geräusche über Geräusche

Das Ticken der Wanduhr, dass durch die offene Balkontür nach draußen dringt.
Die quietschende Tür, die irgendjemand öffnet, um etwas in die Mülltonne zu werfen.
Der vorbeirauschende Zug, am Rand des Wohngebietes entlang.
Der ratternde Geschirrspüler, der mit der Trocknungsphase beginnt.
Entferntes Kinderlachen vom Spielplatz…
Erstaunlich, was man so alles hört, wenn man sich über die Ruhe freut.
Die Balkontür klappt zu, mit einem Ruck stoße ich sie wieder auf.
Falls es klingelt, möchte ich es nicht verpassen.
Vor lauter Geräuschen mitten in der Stille habe ich Angst, das Klingeln zu verpassen.
Eigentlich warte ich die ganze Zeit nur auf dieses eine Geräusch und die fröhliche Stimme, die nach etwas zu trinken ruft.
Das Rauschen der Bäume beruhigt mich wieder, doch durch den Luftzug knallt die Balkontür erneut gegen den Rahmen.
Es klingelt, ich habs gewusst. Ganz cool bleiben. Gleich ist die Stille vorbei.

Jetzt ist wieder Leben im Haus

Mein Herz klopft bis zum Hals und ich weiß gar nicht, wieso.
Ich bin’s, ertönt eine Stimme durch die Türsprechanlage.
Ich will noch weiter spielen, wir gehen zu L.
Ok, dann bis später, antworte ich, einfach so.
So ein wunderbarer Sonnenschein.
Nicht auszudenken, was wäre, wenn die Stille für immer bliebe.
Dann wäre die To-Do-Einkaufsliste egal.
Ob das Auto zu heiß wäre, um einzusteigen oder ich dringend aufräumen müßte, egal.
Ob die Vögel zwitschern oder die Balkontür zuklappen würde, egal.
So richtig sympathisch ist mir die Ruhe nun doch nicht mehr.
Ich sollte nun wirklich den Staubsauger anschalten und alle Staubmonster beseitigen.
Gesagt, getan.

Im letzten Moment fällt mir ein, dass das nicht geht.
Es könnte klingeln…

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Mit einem Gruß vom Pavor nocturnus

Mit einem Gruß vom Pavor nocturnus

Nächte sind ja bekanntlich dafür da,um sich zu erholen

Das Schlafen ist eine wirklich schöne Sache, um den Körper wie von selbst in die Regeneration zu führen. Eine geniale Idee der Natur, wie ich finde. Dazu werden Psyche und Denkapparat gleich mit defragmentiert durch die Träume.

Alles in allem genau das, was ich mir so wünsche, wenn ich abends todmüde ins Bett falle – schlafen und träumen und morgens frisch und munter aufwachen.

Doch wenn es nachts um halb zwei plötzlich mörderisch schreit und weint, dann sitzt du im Bett und deine Tiefschlafphase ist beendet. Wahrscheinlich ist auch deine nächste Einschlafphase empfindlich gestört.

Der Nachtschreck ist nicht gefährlich

Wir kennen es schon, jedoch befürchte ich, viele andere Eltern wären jetzt in Panik ausgebrochen. (so wie wir anfangs auch)

Unser Kind leidet am Pavor nocturnus, einfacher gesagt, dem Nachtschreck oder der Nachtangst.

Gott sei Dank kommt es mittlerweile sehr selten vor, dass sie nachts weinend oder schreiend im Bett sitzt, die Augen geöffnet hat, aber nicht ansprechbar ist.

Und noch viel schlimmer: Sie schlägt um sich, wenn man sie trösten will und lässt sich weder beruhigen noch berühren.

Wenn Kinder so etwas in der Nacht tun, vielleicht auch in verschiedene Zimmer laufen oder im Bett herumstrampeln, begleitet von einem Wimmern oder Weinen – dann behaltet bitte erst einmal die Ruhe.

Führt euch vor Augen, dass ihr eurem Kind jetzt erst einmal nicht helfen könnt, denn das kleine verschwitzte panische Bündel sollte nicht geweckt werden! Ähnlich wie beim Schlafwandeln wäre euer Kind desorientiert und verwirrt, vielleicht auch verängstigt.

Nach ca. 5 – 15 Minuten ist der Nachtschreck vorbei und es kann ruhig und friedlich weiter geschlafen werden. 🙂

Aus dem Tiefschlaf geschubbst

Kinder, die am Pavor nocturnus leiden, wachen aprupt aus dem Tiefschlaf auf – sind jedoch noch nicht wach. Sie hängen also irgendwo im Halbschlaf und bekommen nicht viel von dem ganzen Geschehen mit. Früh haben sie es vollständig vergessen.

Unsere Tochter leidet seit dem ersten Lebensjahr daran, was eher untypisch ist. Normalerweise tritt die Nachtangst zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr auf.

Als kleines Kind schüttelte sie manchmal ihre Beine wie wild, als wären Ameiesen dran. Sie schlug um sich oder strampelte mit den Beinen los. Jede Berührung oder der Versuch, sie zu trösten endete im Desaster. Irgendwann gewöhnten wir uns an, leise mit ihr zu reden, damit sie sich ein wenig beruhigt.

Die Ursache des Pavor nocturnus

Wie immer in solchen Fällen kann uns kein Mensch erklären, was genau dieses nächtliche Theater bedeutet. Es wird der Parasomnie zugeordnet, also der Gruppe der Schlafstörungen.
Wissenschaftler vermuten, dass ein unausgereiftes Nervensystem dafür verantwortlich ist. Es könnte auch eine familiäre Veranlagung zugrunde liegen.
Genauere Ursachen sind noch nicht bekannt.

Gefährlich ist der Nachtschreck nicht

Nur für Außenstehende ist die Hilflosigkeit schlimm, nichts tun zu können, wenn es wieder auftritt.
Ausgelöst werden kann die nächtliche Panik durch Stress oder wichtige Ereignisse.
Bei unserer Tochter konnten wir beobachten, dass der Pavor nocturnus
so gut wie immer vor einem entscheidenden Entwicklungsschritt auftrat, zum Beispiel bald laufen zu können, sauber zu werden, neue Wörter zu lernen oder zu wachsen.
Deshalb sagen wir immer scherzhaft, dass sich die Synapsen neu schalten.

Erwachsene leiden nicht daran

Nach dem sechsten Lebensjahr sollten die nächtlichen Panikattacken aufhören.
Erwachsene sind so gut wie gar nicht davon betroffen.
Der Nachtschreck darf nicht mit Albträumen verwechselt werden, sondern ähnelt eher dem Schlafwandeln.
Krankheiten wie beispielsweise die Epilepsie müssen vorher ausgeschlossen werden.
Sollten nach dem sechsten Lebensjahr noch nächtliche Anfälle auftreten, holt euch besser ärztlichen Rat!

Unsere Nacht verlief weitestgehend ruhig und heute früh schlug eine kleine Schlafmütze die Augen auf und fragte verschlafen, wie spät es sei.

Halb neun, murmelte eine müde drein blickende Mama. 😉

Ich habe ja sooooo schön geschlafen!

Viele muntere Grüße,
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