Zersetzung der Seele – die operative Psychologie in der DDR

Die DDR und „ihre“ Maßnahmen gegen mündige Bürger

Weshalb ich „ihre“ in Anführungszeichen gesetzt habe? Nun, bevor ich wieder Öl ins Feuer gieße und unsinnige Diskussionen über Ossis und Wessis entfache, ist es mir doch lieber, gleich auf eine gewisse Differenzierung von „Alltag in der DDR“ und „politischer Diktatur in der DDR“ vorzunehmen.

An und für sich setze ich das bei meiner Stammleserschaft ohnehin voraus, dass ihr nicht alles in schwarz oder weiß, gut oder böse, rechts oder links einteilt und dem Schubladendenken nicht verfallt.

Alle anderen Leser bitte ich gleich vorweg, nicht immer nur die eine Seite der Medaille zu betrachten, sondern sich einen Überblick zu verschaffen – über das Leben in der Deutschen Demokratischen Republik.

Deshalb schreibe ich ja hier darüber: Um einen Fokus auf das zu richten, was gut war – und gleichzeitig so vernichtend sein konnte.

Operative Psychologie

Die „Operative Psychologie“ war ein Forschungs- und Lehrfach an der Juristischen Hochschule (JHS) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR. Diese beschäftigte sich mit „den Erscheinungen, Bedingungen, Gesetzmäßigkeiten und des psychischen Erlebens und der psychischen Steuerung des Verhaltens und der Handlungen der Menschen in der politisch-operativen Arbeit des MfS“[1]. Die auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse wurden zur „Zersetzungpolitischer Gegner des SED-Regimes genutzt.

Quelle: Wikipedia

Viele Jahre mussten ins Land gehen, damit ich über dieses Thema schreiben kann. Bis heute bin ich mir nicht sicher, ob manche Leute, die heute groß „Ich bin stolz, ein Ossi zu sein“ schreien, überhaupt wissen, dass die DDR ein Unrechtsstaat war, eine Diktatur.

Bisher hat nie jemand in Frage gestellt, was ich zu dem Thema DDR zu berichten hatte – auch wenn ich damals verhältnismäßig jung war. Das Verhältnis zum Staat war immer sehr gespalten, worüber ich gleich berichten werde.

Dennoch liebe ich die Region, in der ich aufwuchs, in der ich meine Kindheit verbrachte und habe ich auch sehr viele schöne Kindheitserinnerungen. Ich kann jeden hier im Osten verstehen, der manche Dinge aus der DDR vermisst. Wer sich diese Widersprüchlichkeiten nicht erklären kann, der hat hier auf meinem Blog Gelegenheit, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Es wird noch mehr solche Artikel geben, doch das braucht Zeit.

Ich habe keine Lust mich oder andere zu stigmatisieren oder in der Manier mancher sensationsgeiler Medien ein einfaches Bild von der Vergangenheit der DDR zu zeichnen und der Konsequenzen daraus für unser heutiges vereintes Deutschland.

Es geht mir um Aufarbeitung, und ich werde gefühlsmäßig an viele Grenzen stoßen, hüben wie drüben. Das bin ich aber gewöhnt, und werde euch ausführlich in nächster Zeit berichten, warum ich diese Rolle gut ausfülle.

Ja, ich liebe Ostdeutschland, ich bin eine gebürtige Ostdeutsche, bin hier groß geworden, erwachsen geworden – und habe nie woanders als im Osten gewohnt. Ich war zur Wiedervereinigung elf Jahre alt und somit ein Kind.

Wieso also schreibe ich Artikel über die Zersetzung der Seele in der DDR?

Im Jahr 1960 begann sich in der DDR ein Zweig herauszubilden, der – sagen wir mal spekulativ – ein wenig effektiver als nur militärisch gegen Ideologie- Feinde vorgehen wollte.

Die beste Angriffsfläche in jedem Menschen, egal wie stark er ist, zeigt sich in der Manipulation seiner Psyche. Viele kennen sicherlich den Begriff Gehirnwäsche. Der eine oder andere weiß eventuell ein wenig Bescheid über das Arbeiten von Sekten und fanatischen Gemeinschaften ( egal welcher Art, nicht nur religiös). Dieser Begriff der Indoktrination ist nicht neu. Über langen Zeitraum werden immer wieder dieselben „Phrasen“ gedroschen, bis das Gehirn irgendwann auf Schmalspur funktioniert, sich nur noch auf ein Thema fokussiert und alles andere ausblendet.

Genau das erkannte das Ministerium für Staatssicherheit und baute es Stück für Stück in seine Funktionsweise mit ein. Doch worum genau geht es dabei?

Wer nie in einer Diktatur groß wurde, kann sich nicht vorstellen, wie so eine Kontrolle der Bewohner des Landes abläuft. Es gab in der DDR eine – sagen wir staatlich aufgezwungene – Weltanschauung, die jeder gehorsame Mensch genau so auch zu verinnerlichen haate. Jeder, der Zweifel daran hegte oder aber seinen Individualismus in den Vordergrund stellte, galt recht schnell als bedrohlich für das System.

Das MfS war dafür zuständig, die Bürger der DDR dahingehend zu beobachten und zu kontrollieren, dass deren Ansichten mit diesem aufdiktiertem Weltbild nicht in Widerspruch standen. Viele Bürger legten mehr oder weniger einen recht diplomatischen Spagat mit diesem System hin, um keinen Ärger zu bekommen.

Wer allerdings zu offen dagegen vorging, hatte jede Menge Probleme. Auch die Kinder dieser Leute hatten Probleme und manchmal endete das in einer Katastrophe besonderen Ausmaßes.

Die operative Psychologie funktionierte tatsächlich als Zersetzung des Lebens und das auf eine recht perfide Art und Weise. Sie passierte heimlich und versteckt – sodass der Nährboden für Vertrauen und Nähe Freunden oder Familienmitglieder gegenüber komplett entzogen wurde.

Bis heute weiss niemand so ganz genau, wen diese Maßnahmen trafen und wissenschaftlich wurden die Folgen – vor allem die seelischen – bis heute leider nicht Studien unterzogen. Es gibt Menschen in diesem Land, die hochtraumatisiert sind und bisweilen auch ihre Kinder (welche nun schon erwachsen sind). Die jedoch nicht wissen, dass viele Dinge in ihrem Leben geschahen, weil es jemand so wollte.

Die Trumanshow in der DDR

Gruselig…du gehst in deine Wohnung und plötzlich hängt ein Bild an der Wand, welches du nicht kennst. Du fährst mit dem Fahrrad und zwei kleinen Kindern in den entfernteren Konsum einkaufen und als du mit voll bepackten Taschen zurück kommst, sind beide Reifen aufgeschlitzt. Du hängst die schweren Beutel links und rechts an den Lenker, nimmst deine beiden quengelnden Kinder und schiebst mühselig dein Fahrrad gen Wohnung.

Fix und fertig schleppst du die Taschen nach oben und öffnest die Tür, willst jetzt doch noch einmal genau untersuchen, wo dieses mysteriöse Bild an der Wand her kommt – und es ist weg….

Du erzählst einem sehr engen Freund davon, bei dem du dir sicher bist, dass er dich niemals verraten würde. Ihr sitzt im Wohnzimmer bei einer Tasse Kaffee und unterhaltet euch über dieses Bild. Den nächsten Tag weiß in deiner Arbeitsstelle jeder darüber Bescheid, obwohl dein Freund dir schwört, es niemandem erzählt zu haben…Nicht nur peinlich, sondern vor allem zweifelst du an dir – an deinem Verstand. du wirst belächelt, ausgegrenzt und für irre erklärt. Das tut die Öffentlichkeit von ganz allein.

Doch wie konnte das alles passieren? Bist du wirklich Wahnvorstellungen erlegen?

Diese Geschichte ist keinesfalls übertrieben.

Ich habe dazu hier eine gut recherchierte Dokumentation gefunden, die du dir anschauen solltest.

Wie geht es dir nach Schauen dieses Films?

Natürlich fragt sich jeder, der nicht dem „gängigen“ Meinungsideal der DDR entsprach, ob es wohl auch ihn betraf? Situationen aus der Kindheit drängen sich nach oben, deren produzierte Bilder keiner mehr sehen will, die wegggedrängt und ausgeschaltet werden.

Jetzt ist ja alles gut, es ist lange her, längst vorbei. Keine Gefahr mehr.

Doch wo sind die Akten zu dem Thema? Wer kann auf Fragen antworten? Wer glaubt einem eigentlich heutzutage?

Welche Psychologen sind dafür ausgebildet, um ein verschwiegenes Trauma zu behandeln? Was wurde aus den Kindern, die involviert waren?

Zu viele Ungereimtheiten, zu wenig Hilfe seit der Wende – wie muss es den Opfern wohl ergangen sein und wie geht es ihnen jetzt?

Wir können nicht verleugnen, was an Unrecht geschehen ist. Nur die kritische Auseinandersetzung mit den Geschehnissen bringt uns auf einen Weg der Aufarbeitung….weit weg von sensationsgeilen Medien und ignoaranten Politikern, vielleicht auch einem stummen Volk, was eben nicht immer so geeint war.

Es hilt nicht,  die ganze DDR zu diffamieren, denn es gab keine homogene DDR-Bevölkerungsschicht. Das sollte ich wohl nicht erklären müssen.

Dennoch wünsche ich  euch ein paar ruihge Minuten, um inner zu halten und nachzudenken. Die DDR war nicht entweder böse oder gut. Sie war böse und gut. So wie man es von fast jedem System behaupten kann, welches durch Menschen funktioniert.

Einen kritischen Aufarbeitungsdienstag wünscht euch

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Ich habe gelernt. Gedankliches Jogging.

Ich habe gelernt

Ich habe gelernt, dass du niemanden dazu bringen kannst, dich zu lieben. Alles was du tun kannst, ist, jemand zu sein, den man lieben kann. Der Rest liegt an den anderen.

Ich habe gelernt, egal wie viel ich mich kümmere, manche Menschen kümmert es nicht.

Ich habe gelernt, dass es Jahre braucht Vertrauen aufzubauen, aber nur Sekunden, um es zu zerstören.

Ich habe gelernt, dass im Leben nicht zählt, was du hast, sondern wen du hast.

Ich habe gelernt, das du dich nicht mit dem Besten, das andere geben können vergleichen solltest, sondern mit dem Besten das du geben kannst.

Ich habe gelernt, dass es nicht wichtig ist, was Leuten passiert, sondern was sie daraus machen.

Ich habe gelernt, dass du impulsiv etwas tun kannst, was dir für den Rest deines Lebens Kopfschmerzen bereitet.

Ich habe gelernt, dass egal wie dünn du etwas schneidest, es immer zwei Seiten gibt.

Ich habe gelernt, dass es lange dauert, die Person zu werden, die ich wirklich sein möchte.

Ich habe gelernt, dass es oft einfacher ist zu reagieren als zu denken.

Ich habe gelernt, dass du immer jemanden mit lieben Worten verlassen solltest. Es könnte das letzte mal sein, das du ihn siehst.

Ich habe gelernt, dass du noch lange weitermachen kannst, nachdem du dachtest du kannst nicht mehr.

Ich habe gelernt, dass wir verantwortlich sind für das was wir tun, egal wie wir uns fühlen.

Ich habe gelernt, dass entweder du deine Haltung steuerst oder sie dich steuert.

Ich habe gelernt, dass ungeachtet dessen, wie heiß und feurig deine Beziehung anfangs ist, die Leidenschaft verblasst und besser etwas anderes diesen Platz einnimmt.

Ich habe gelernt, dass Helden Menschen sind die das tun, was getan werden muss, wenn es notwendig ist, ohne Rücksicht auf die Konsequenzen.

Ich habe gelernt, dass es Übung braucht Verzeihen zu erlernen.

Ich habe gelernt, dass es Menschen gibt, die dich aufrichtig lieben, aber nicht wissen, wie sie es zeigen sollen.

Ich habe gelernt, dass Geld ein lausiger Weg ist Anerkennung zu bekommen.

Ich habe gelernt, das mein Freund und ich alles oder nichts tun können und dabei eine tolle Zeit haben.

Ich habe gelernt, dass manchmal die Leute, von denen du erwartest, einen Tritt zu bekommen, wenn du ganz unten bist, diejenigen sind, die dir beim Aufstehen helfen.

Ich habe gelernt, dass ich manchmal, wenn ich wütend bin, das Recht habe wütend zu sein, aber nicht das Recht, grausam zu sein.

Ich habe gelernt, dass wahre Freundschaft selbst über große Entfernungen hinweg Bestand hat. Dasselbe gilt für wahre Liebe.

Ich habe gelernt, dass, nur weil jemand dich nicht auf die Art und Weise liebt, die du dir wünschst, das nicht heißt, dass er es nicht mit allem tut was er hat.

Ich habe gelernt, dass Reife mehr damit zu tun hat, was für Erfahrungen du gemacht hast und was du daraus gelernt hast, als damit, wie viel Geburtstage du schon gefeiert hast.

Ich habe gelernt, dass du niemals einem Kind sagen solltest, seine Träume sind unglaubwürdig und befremdlich. Es gibt nur wenige Dinge, die demütigender sind und was wäre es schon für eine Tragödie, sie es glauben zu lassen.

Ich habe gelernt, dass eine Familie nicht immer für dich da ist. Es hört sich seltsam an, aber Menschen mit denen du nicht verwandt bist, können sich genauso um dich sorgen, dich lieben und dir das Vertrauen an die Menschen zurückgeben.

Ich habe gelernt, dass egal wie gut ein Freund ist, er dich von Zeit zu Zeit verletzt und du ihm verzeihen musst.

Ich habe gelernt, dass es nicht immer reicht, wenn andere dir verzeihen. Manchmal musst du lernen, dir selber zu verzeihen.

Ich habe gelernt, dass egal wie sehr dein Herz gebrochen ist, die Welt sich wegen deines Kummers nicht aufhört zu drehen.

Ich habe gelernt, dass unser Hintergrund und gewisse Umstände uns beeinflusst haben können, wer wir sind, aber wir sind letztendlich dafür verantwortlich, wer wir werden.

Ich habe gelernt, dass ich manchmal, wenn zwei Freunde streiten, gezwungen bin, eine Seite zu wählen, selbst wenn ich es nicht will

Ich habe gelernt, dass, wenn zwei Menschen sich streiten, das nicht bedeutet, dass sie sich nicht lieben. Und nur weil sie sich nicht streiten bedeutet es nicht, dass sie es tun.

Ich habe gelernt, dass du manchmal eine Person und deren Handlungen trennen musst.

Ich habe gelernt, dass wir Freunde nicht ändern müssen, wenn wir verstehen, dass Freunde sich ändern.

Ich habe gelernt, dass du nicht eifrig versuchen solltest, ein Geheimnis herauszufinden. Es könnte dein Leben für immer verändern.

Ich habe gelernt, dass zwei Leute, die genau die gleiche Sache betrachten, etwas total Unterschiedliches sehen können.

Ich habe gelernt, dass es viele Wege gibt, sich zu verlieben und verliebt zu bleiben.

Ich habe gelernt, dass diejenigen, die ungeachtet der Konsequenzen aufrichtig mit sich selber sind, im Leben weiterkommen.

Ich habe gelernt, dass egal wie viel Freunde du hast, bist du ihre Stütze, wirst du dich einsam und verloren fühlen in den Zeiten, in denen du sie am meisten brauchst.

Ich habe gelernt, dass dein Leben in wenigen Augenblicken von Menschen geändert werden kann, die dich noch nicht einmal kennen.

Ich habe gelernt, dass, selbst wenn du denkst, du hast nichts mehr zu geben, du die Kraft finden wirst zu helfen, wenn ein Freund nach dir ruft.

Ich habe gelernt, dass Schreiben sowie Reden emotionalen Schmerz erleichtern können.

Ich habe gelernt, dass das Paradigma, das wir leben, nicht alles ist, was uns angeboten wird.

Ich habe gelernt, dass Diplome an der Wand aus dir noch keinen anständigen Menschen machen.

Ich habe gelernt, dass Menschen, die dir viel im Leben bedeuten, dir oft viel zu früh genommen werden.

Ich habe gelernt, dass, obgleich das Wort Liebe viele unterschiedliche Bedeutungen hat, es an Wert verliert, wenn es übermäßig benutzt wird.

Ich habe gelernt, dass es schwierig ist, eine Grenze zu ziehen zwischen der Rücksichtnahme auf die Gefühle anderer und zu dem zu stehen, an das du glaubst.

Ich wünsche euch ein bisschen Zeit, um über euch und euer Leben nachzudenken. Manchmal ist es ganz gut, sich den Spiegel vorzuhalten und im „Selbst“ zu ruhen, anstatt sich immer am „Außen“, an anderen zu orientieren. Es gibt nichts und niemanden, der perfekt ist.

Eine schöne Woche wünscht euch

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Die Rolle der Frau. Wir sind kein Vieh.

Vielleicht ist die Überschrift etwas exzentrisch, mag sein. So ist das doch heute, jeder muss ein wenig übertreiben, sonst wird er nicht gehört…
Ich bin in der letzten Zeit nur noch stille Beobachterin der vielen Geschehnisse in Deutschland, die uns oft fremd sind. So jedenfalls sagt es mir mein Gefühl – es ist meine Empfindung, dass sich hier viele Situationen explosionsartig aneinander reihen, bevor man überhaupt Luftholen kann.
Bevor ich in Ruhe überlegen konnte, wie ich alle diese Gefühle in Worte packen könnte – eigentlich genau das einzigartige Talent eines Schreiberlings – ist die Zeit bereits wieder rasend an mir vorbeigegangen und das nächste Geschehnis steht auf dem Tagesplan. Dabei wäre es in mancherlei Hinsicht besser, etwas zur Ruhe kommen zu können und sich zu „sammeln“, bevor man sich zu einem Thema äußert.

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Bulgare findet in Zwickau neue Heimat

Am 3. Oktober jährt sich die Wiedervereinigung zum 25. Mal. Aus diesem Anlass haben junge Leute aus Zwickau 25 Zeitzeugen befragt. Einer von ihnen ist Stefan Kolev – der Bulgare lehrt als Professor an der WHZ. Eine 21-Jährige hat ihn porträtiert.

Von Sara Voigt*
erschienen am 30.09.2015

Zwickau. Stefan Kolev, geboren in Bulgarien, kann sich noch genau daran erinnern, dass er am 9. November 1989 bei seinen Großeltern war. Sein Opa sagte mit Blick auf den Fernseher: „Ach, in Berlin tut sich etwas.“ Am Tag darauf stürzt auch das sozialistische Regime in Bulgarien in sich zusammen. Noch heute sieht sich Stefan Kolev als Kind bei einer der größten Kundgebungen in Sofia im Juni 1990 auf den Schultern seines Vaters sitzen – inmitten von einer Million Menschen.

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Wer ordentlich ist, ist nur zu faul zum Suchen

Oder irgendwie so ähnlich.
Fakt ist: Wer einen chaotischen Partner hat, der muß wohl notgedrungen damit klarkommen. Wer allerdings kleine Kinder hat, dem ist meist eine gewohnte Unordnung ganz vertraut.

Das kommt offensichtlich darauf an, wie kreativ die Kinder sind – und wie ordentlich die Eltern.

Unordnung ist meiner Ansicht nach nicht nur eine Frage der Erziehung, sondern des Charakters. Ich erinnere mich noch sehr genau daran, daß ich als kleines Mädchen meine Anziehsachen brav zusammengelegt habe und abends auf meinen Stuhl getan. Denn ich wollte früh lieber ein paar Minuten länger schlafen können und nicht die knappe Zeit damit verbringen, Klamotten zu suchen.

Leider war das mit zwei Brüdern nicht sehr einfach. Der Große ging einen steilen Weg auf die Pubertät zu, der kleine interessierte sich mehr für sein warmes Milchfläschchen. Der Platzmangel vor Umbau des Hauses tat auch sein Übriges. Denn wer mit anderen auf engstem Raum zusammen lebt, der muß sich den Gegebenheiten ganz anders anpassen.

Diese Eigenschaft habe ich offensichtlich bis heute beibehalten. An meine Tochter habe ich jedoch weder diese Besonderheit weiter vererbt noch das Ordnungs-Gen.

Ich hoffe auf ein großes Wunder, aber ich befürchte, das Leben wird mich lauthals auslachen. Vor allem dann, wenn sie irgendwann in die Pubertät kommt.

Was kostet die Welt

Ja, die Pubertät. Da ist alles anders und im Ausnahmezustand. Dementsprechend sehen oft auch die Zimmer der Heranwachsenden aus. Meine Eltern verstanden das damals nicht. Ich hatte schlichtweg keine Zeit, aufzuräumen. Es gab echt Wichtigeres. Mit Freunden abhängen. Ins Kino gehen. Der erste Liebeskummer. So Sachen halt.

Zuhause war ich in der Zeit selten und mein Zimmer war eine Art riesige Aufbewahrungsbox. Es hielt sich aber in Grenzen. Schlimmer war es, als ich mein Zimmer noch teilen mußte. Zuerst mit der großen Variante von Bruder. Der klaute sich schonmal meinen Zirkel und mein Lineal für die Schule, weil er seine Sachen schlichtweg nicht fand. Den Eintrag ins Hausaufgabenheft bekam dann ich.

Jungs sind schon komisch. Socken hier, Pullover da – in Häufchen vor dem Bett, egal was die Mama sagt. Es gab Zank und Tränen, denn ich wollte wirklich meine Ruhe. Doch ein eigenes Zimmer bekam ich  trotzdem nicht.

Die geniale Lösung des Problems sah anders aus:

Großer Bruder raus, der Kleine rein. Da blieb es nicht bei Söckchenhaufen.

Es war viel schlimmer. Er krallte sich alles aus meinem Regal, was er fassen konnte, bekritzelte meine Hausaufgaben und zerstreute sein gesamtes Spielzeug auf dem Fußboden. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ich keinen Weg mehr zu meinem Bereich im Zimmer fand, ohne auf irgend etwas zu treten.

Mütter und Söhne

Wer sich wie ich Gedanken um die tägliche Unordnung in seinem Leben macht, der schielt auch hin und wieder nach den Ursachen. Weshalb bin nur ich diejenige, die das Auto aussaugt oder die Fenster putzt?

Manche Menschen besitzen das Talent, da wo sie auch nur stehen, Chaos zu hinterlassen. Kommoden dienen als komplette Ablagefläche. Wenn die voll ist, wird die Schrankwand als Lagerstelle zweckentfremdet.

Im Flur türmt sich die neueste Steine-Sammlung auf meinem Schreibtisch – die lagen doch vorhin noch nicht da? Schraubenzieher auf dem Tisch und Spielzeug auf dem Fußboden. Hier braucht es einen General!

Es ist nicht immer einfach, ruhig zu bleiben. Natürlich strahlt das Glück der Liebe in mein Herz und läßt mich verständnisvoll über das Chaos blicken. Augenscheinlich zumindest. In Wahrheit fühle ich mich zurückversetzt in das Jahr 1987 und später. Was mache ich nur falsch?

Gelassen sehen? Aber selbstverständlich bin ich die relaxteste Mutter und Hausfrau…äh… Frau, die es gibt.

Dennoch sinniere ich oft über die Ursachen. Sind tatsächlich alle Männer unfähig, einen Haushalt zu organisieren? Haben die Mütter bei ihren Söhnen in der Erziehung etwas falsch gemacht?

Eine Freundin vertraute mir vor einiger Zeit einmal an, daß sie sich manchmal fühlt wie ein Aschenbrödel. Eine andere sagt, sie fährt das Putzfrauenauto und ihr Freund das tolle. Anspielungen, die mich nachdenklich machen.

Ich bin auf einer ganz heißen Spur! Männer sind tatsächlich oft so, wie die Mama es ihnen beigebracht hat. Was für eine gruselige Vorstellung! Denn ich wette, die meisten mussten keinen Lappen im Haushalt schwingen.

Die berühmtesten „Such-mich-Verstecke“

Vielleicht kennt ihr das Phänomen. Das was gesucht wird, kurz bevor es zur Haustür hinaus geht, ist meist an verschiedenen, aber doch bekannten Stellen wieder zu finden.

1. Meine Schlüssel liegen desöfteren im Kühlschrank.

Das hat zwei Gründe. Erstens, bevor wir wegfahren, räume ich oft noch schnell Sachen auf. Ich mag es nicht, in eine unaufgeräumte Wohnung heim zu kommen.

Unter anderem stelle ich dann auch Dinge vom Tisch in den Kühlschrank.

Die zweite Ursache ist, dass ich manchmal kurz vorher noch etwas trinke. Beide Male bleibt dann der Schlüssel, den ich zum Abschließen schon in der Hand hatte, im Kühlschrank liegen.

Wenn er also nicht da hängt, wo er hängen soll, laufen wir automatisch zum Kühlschrank.

2. Wo ist mein Autoschlüssel?

In Schichten arbeiten, Terminen nachkommen, von Berufswegen mit dem Auto unterwegs sein, das Kind zum Kindergarten schaffen, Papier wegbringen …. das ist so die Kurzform unseres Eltern-Daseins. Mitzwei Auto´s ist es nicht immer unkompliziert, auch wenn man es denken mag.

Je nachdem, wie weit ich fahre, wie schnell ich da sein muß und was ich vorhabe, wechsel ich von meinem in das Auto meines Mannes. Das beginnt eigentlich schon damit, ein k-inderfahrrad mit Stützrädern in einen winzigen Kofferraum einer alten Blechkarre zu stopfen. Klappt nicht. Großes Auto muß her.

Fliegender Wechsel sozusagen. Da verschwinden die Autoschlüssel schon mal im Alltagsnirwana. Oder noch vielsimpler in Hosentaschen. Neue Hose = totales Chaois. Da wir alle sehr temperamentvoll sind und leicht an die Decke gehen, reicht so eine Streßsituation kurz vor dem Wegfahren, um durch diese blöde Suche nach dem Autoschlüssel schlechte Laune zu bekommen.

Wenn es also heißt, Autoschlüssel suchen, dann schauen wir zuerst in Hosen- und Jackentaschen nach.

3. Wo ist meine Mütze?

Ganz ehrlich. Sie hat wirklich ein großes Mützenproblem. Töchterchen bekam schon einen ganz süßen, bunten Beutel an die Garderobe gehängt mit sehr vielen Mützen und Käppi´s. (Heißt übrigens nicht so, es heißt „Basecap, Mama“!)

Ich bin praktisch veranlagt und versuche einfach zu ordnen, was irgendwie zu ordnen geht. Doch aus irgend einem Grund ist genau die Kopfbedeckung, die wir an dem Tag brauchen, nicht in diesem verflixten Beutel. Und ganz sicher auch keine 20 Meter drumherum.

Beliebte Verstecke bzw. Ablageflächen für Mützen sind auf jeden Fall die zwei Autos, der Kindersitz oder der Kofferraum, ihr Rucksack, das Ablagefach im Kindergarten oder die Gartenlaube. Da wird es wirklich schon dramatisch.

Könnt ihr euch vorstellen, wie lange wir brauchen, um aus dem Haus zu kommen, wenn

a) die Mütze vielleicht im Auto liegt

b) der Autoschlüssel vielleicht in einer Hosentasche steckt und

c) wir zum Schluß den Wohnungsschlüssel suchen?

4. Wo sind Haarspangen und Zopfgummi?

Wer Mädchen zuhause hat, kennt es vielleicht. Wir haben einen wirklich riesigen Verschleiß an besagten Artikeln. Egal, wieviele ich davon nachkaufe, nach spätestens zwei Wochen stehen wir früh da und finden weder Haarspangen noch Zopfgummis. Die sind meistens leider auch unauffindbar.

Als Versteck dient dennoch das Kinderzimmer. Die Haare von Puppen sind generell verschönert. Und nicht nur mit Haarspangen. Aber dazu später mehr.

Verzweifelt also nicht, wenn der Haushalt nicht so geleckt aussieht, wie ihr es gerne hättet. Es gibt eben auch Familien, wo nicht alles an seinem Platz steht. Vom Boden essen kann man nicht, aber wozu gibt es Tische? Und das Leben zu genießen, kann manchmal auch entspannender als Putzen sein!
Ich wünsche euch einen wunderschönen stressfreien Freitag.

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Der feine Unterschied zwischen Selbstbewusstsein und Egoismus

Kennst du diesen Satz, wenn du jemandem von einem Problem erzählst, dass du hast und das Gegenüber knallt dir die berühmte Antwort vor die Füße:

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Das Jahrhundert der Angst

Die Neunziger waren unbeschreiblich aufregend.

Jeder träumte von der großen Freiheit und vielen unbegrenzten Möglichkeiten.
Wir Jugendlichen nahmen wahrscheinlich die Existenzängste der Eltern nicht wahr, denn uns stand die Welt offen.
Nach der Herauslösung aus ideologischen Bildungsinhalten der zerfallenen DDR wurden wir Stück für Stück mit dem neuen Schulsystem vertraut und gingen unseren Weg.
Halb Kind, halb Teenie fallen solche Umwälzungen nicht sehr schwer. Abgesehen von der Pubertät, die wahrscheinlich sehr viele von uns als ziemlich antiautoritär wahrnahmen, haben sich doch die meisten hinüber gerettet in die neue Welt.

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Fantasie der Liebe

Ich habe eins gelernt, das Leben ist richtig schön, wenn deine Augen verstehen mit Liebe alles zu sehen und wenn auch dein Herz schlägt, so unbändig und wild für das, was du liebst, mehr als alles andere auf der Welt.

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Warten auf ein Zeichen

Das ist so einer der Tage, an denen man sich eigentlich freuen müsste

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Mit einem Gruß vom Pavor nocturnus

Nächte sind ja bekanntlich dafür da,um sich zu erholen

Das Schlafen ist eine wirklich schöne Sache, um den Körper wie von selbst in die Regeneration zu führen. Eine geniale Idee der Natur, wie ich finde. Dazu werden Psyche und Denkapparat gleich mit defragmentiert durch die Träume.

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