Ein sympathischer Bundespräsident, der aus gutmütigen Kulleraugen in die Kamera schaut … ja, ich mochte nach Köhler den Wulff, auch wenn mir ehrlich gesagt nie klar war, was ein Bundespräsident eigentlich wirklich macht.
Zumindest präsentiert er Deutschland und steht somit für Wert – und Moralvorstellungen dieses Landes. Aber diese Maxime gilt für unsere Politiker doch schon lange nicht mehr, und wenn, dann wäre das für mich erschreckend, weil ich die Politik als riesengroßen Kindergarten empfinde, der sich um die Spielsachen streitet.
Und so ähnlich geht es mir auch mit Wulff. Tausende Blogs befassen sich nun mit diesem Mann, eine Meldung in den Medien jagt die nächste. Ich bekomme das nur am Rande mit, es geht um Korruption, um Vetternwirtschaft – es geht darum, dass dieser Bundespräsident das Vertrauen deutscher Bürger missbraucht, sich in die Wirtschaft einmischt, vielleicht sogar sein Amt zweckentfremdet.
Aber so richtig schlüssig ist mir das ganze Tam – Tam um diesen Mann trotzdem nicht.
Die heutige Zeit ist doch so, dass jeder nutznießerisch sehen muss, wo er bleibt.
Harte Realität – ohne Connections läuft nichts mehr, Fairness gibt es nicht mehr, vielleicht unterliegt ja auch Wulff diesem Überlebenskampf und kann sich gegen seinen menschlichen Trieb, ganz weit oben zu stehen, nicht wehren. So muss es wohl sein, sonst würde er ja gar nicht in dem Politik- Kindergarten mitmischen, wäre vielleicht gar nicht so weit gekommen.
Immer wieder sind wir schockiert, wenn Politiker nicht das tun, was sie tun sollen. Dabei steht das doch an der Tagesordnung.
Ob nun Westerwelle, der Menschen verurteilt, die Geringverdiener sind oder dieser zu Guttenberg, der sich seine Doktorarbeit schreiben lässt – es gibt doch nichts, was es nicht gibt in unserer deutschen Politik. Kein Halt, keine Vorbildfunktion und schon gar nicht moralisch fleckenfreies Verhalten.
Aber ist das nicht auch gut, wenn wir menschliche, fehlbare Bundespräsidenten, Kanzler und Außenminister haben? Immerhin laufen wir Deutschen dann nicht Gefahr, blindlings zu vertrauen und einfach hinterher zu rennen. Hat doch auch sein Gutes.
Was mich in meinem Leben interessiert, hat ganz wenig mit der deutschen Politik zu tun und noch weniger mit Wulff als Bundespräsidenten. Er ist nicht in meinen Alltag eingebunden, ich verschwende fast keinen Gedanken daran und wenn er nicht mehr in seinem Amt wäre, so würde für mich wirklich keine Welt untergehen.
Der Wulff ist mir gefühlsmäßig so fern, wie sämtliche andere Politiker. Ich habe keinen Bezug zu diesen Personen, auch wenn es vielleicht traurig klingen mag.
Das ist eine ganz andere Welt „da oben“ an der Spitze, etwas, was Otto Normalverbraucher nicht wirklich fassen kann – wir wissen doch nicht, was hinter den Kulissen abgeht und wer mit wem aus der Krabbelgruppe früh auf seiner Terrasse frühstückt, Geschäfte macht oder befreundet ist.
Das der Wulff seine Neujahrsansprache hält und auch weiter so tut, als wäre nichts passiert, zeigt doch schon, dass er sein eigenes Amt nicht wichtig nimmt und … naja… wer braucht schon einen Bundespräsidenten. Wir haben doch eine imposante Kanzlerin, die mit Sarkozy flirtet.
Also meinetwegen kann der Wulff auch bleiben. Für mich, meine Familie und ich glaube auch für dieses Land spielt das keine Rolle – der einzige, der sich hinterfragen müsste, ob irgendwas falsch läuft, wäre eventuell Wulff selber.
Und wie man sieht, ist der sich keiner Schuld bewusst.
Also drehen wir noch eine Runde in diesem ganzen Theater. Mal sehen, was so als nächstes passiert.
Das ist eine Vorschau des Artikels
Warum mich Wulff nicht die Bohne interessiert
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