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Gibt es eine ostdeutsche Mentalität?




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… Über 40 Prozent der Menschen in den neuen Bundesländern halten Wessis für arrogant, gierig und oberflächlich; 25 Prozent der Westdeutschen finden Ossis misstrauisch, unzufrieden, ängstlich. Gegenseitige Vorurteile sind demnach noch immer weit verbreitet.

Auch in der Arbeitswelt sind die Unterschiede groß. Die Führungsetagen werden überwiegend von Westdeutschen bevölkert, die ostdeutsche Mentalität vertrage sich damit kaum, meint Buchautor Hans-Joachim Maaz. Mit “Die narzisstische Gesellschaft” hat Maaz 2012 ein Psychogramm der Bundesrepublik verfasst … Quelle: spiegel.de

Ich wollte es genau wissen und habe mich um gehört. Hier und da, überall. Denn so einfach wie da oben beschrieben, ist es nicht.

Wer sagt uns denn, was ein “Ossi” ist und was ein “Wessi”?

Ostdeutsche sind nach der Wende vielfach abgewandert – in die alten Bundesländer, die Schweiz, Österreich, die USA oder Australien. Völkerwanderungen gab es in der (deutschen) Geschichte viele. Doch was genau macht eine Mentalität aus? Wie definiert man, wer man ist?

Überwiegt die Erziehung oder sind es die Lebenserfahrungen?

Wenn es um den Osten geht, gibt es da eine ganze Menge zu sagen. Zum Beispiel, dass sich innerhalb von ein paar Monaten alles, aber auch alles verändert hat.

Ein ganzes Leben war futsch – eine Welt brach zusammen. Eine Statistik besagt, dass es zwischen 1991 und 1993, als es um die Abwicklung der ostdeutschen Industrie ging, mehr Demonstrationen gab als 1989.

Doch davon redet niemand mehr. Denn der Osten ist sprachlos und schweigsam.

Ein Klischee, was den Ostdeutschen anhaftet, ist, dass sie frustriert und unzufrieden wären.

Ich akzeptiere nicht, dass der Osten bestimmt, wer in Deutschland Kanzler wird. Die Frustrierten dürfen nicht über Deutschlands Zukunft bestimmen”, sagte Edmund Stoiber 2005. Die wohlwollend-herablassende Fixierung auf Gemeinsamkeiten zwischen Ost und West sind ebenso wie Stoibers Jammerossis gängige Erzählungen. Quelle: taz.de

Die Maßstäbe, die hier angelegt wurden, sind klar: Westdeutsche Maßstäbe

Aufgrund der politischen Ereignisse, die letztendlich die Wende herbei führten, wurde der Ostdeutsche als unmündig und politisch dumm dargestellt, nicht zuletzt durch die Medien, aber auch durch die Politik.

Doch noch viel schlimmer für die Ehre des Ostdeutschen war, als faul abgestempelt zu werden. Denn das die Wende alles mögliche brachte, nur keine utopische Sehnsucht stillte nach einem neuen, freien, demokratischen Land, wurde sehr schnell klar.

Spätestens, als die ersten Kündigungen kamen, nach teilweise mehr als zwanzig oder dreißig Jahren stabilem Arbeitsleben – da wurden auch die letzten hier bei uns wach. DAS ist es nicht, was wir wollten!

Die Arbeitslosenquote Ost ist mit 12 Prozent doppelt so hoch wie im Westen. In Ostdeutschland verdient fast jeder fünfte abhängig Beschäftigte weniger als 7,50 Euro (Westen: jeder zwölfte). Der Anteil der Personen, die in Haushalten leben, die mindestens 6 Monate Arbeitslosengeld II bezogen haben, ist in Ostdeutschland mit 20 Prozent fast doppelt so hoch wie im Westen. 40 Prozent der unter 60-Jährigen waren schon einmal von arbeitsmarkt- und einkommenspolitischen Maßnahmen betroffen. Die Wirtschaftskraft, gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, liegt bei 70 Prozent. Mit der sozialen Gerechtigkeit zufrieden sind 5 Prozent. Unzufrieden: 72 Prozent. Quelle: taz.de [2009]

Der Osten ist menschlicher – aber auch nicht immer

Die Vergangenheit jagt die Zukunft hier bei uns in Ostdeutschland. Ob man von einer ostdeutschen Mentalität sprechen kann, weiß ich nicht. Denn Mentalität ist ein weit zu umfassender Begriff.

Der Duden erklärt Mentalität als Geistes- und Gemütsart; besondere Art des Denkens und Fühlens.

Doch wie soll man beschreiben, wie “ostdeutsche Denke” funktioniert, wenn nicht einmal definiert werden kann, wie ostdeutsch man sein muss, um als ostdeutsch erkannt zu werden?

Ostdeutsche gelten als bodenständig, sie sind fleißig und sie sind pragmatisch. Große schillernde Sprechblasen und “nix dahinter” – das ist nichts für den Ostdeutschen. Hier muß etwas dahinter stehen, fundamentales Wissen vorhanden sein, sonst traut man sich gar nicht zu, schillernd zu sprechen.

Und selbst dann, wenn das Wissen da ist, wird es lieber gleich angewendet. Ossis besitzen Improvisationstalent und finden immer Wege, um etwas auf unkonventionelle Art in Gang zu setzen. Das ist logisch, denn Wegwerfen – das gab es früher nicht. Das ist in den Köpfen der älteren Generation drin.

Doch auch, wenn die Ostdeutschen sich gern als solidarisch und menschlich sehen – die Existenznöte seit der Wendezeit sind nicht vergessen. Diese Angst, das Dach über dem Kopf zu verlieren und mittellos zu werden, ist die größte hier. Bei hoher Arbeitslosigkeit ist jeder fest entschlossen, auf den Zug der Begünstigten aufzuspringen, in ein festes Arbeitsverhältnis zu kommen. Und nur das kleinste Anzeichen dafür, dass jemand nicht arbeitet, reicht oft aus für schiefe Blicke und Ausschluss aus der Gesellschaft.

Der Umkehrschluss: Wer es geschafft hat und sich etwas leisten kann, der ist der Beste und Stärkste, das wird honoriert. So manches Mal allerdings auch mit Häme und Neid. Aber Bewunderung schwingt immer mit.

Gibt es Unterschiede zwischen Alt und Jung?

Natürlich gibt es die. Die ältere Generation hat jedoch soziale Strukturen weiter vererbt. Wir alle haben gebildete, hochstudierte Menschen als Penner in der Gasse verkommen sehen. Viele wissen auch noch wie heute, wenn zuhause Tränen flossen, weil Mama oder Papa plötzlich ohne Arbeit waren.

Der Untergang und der Neubeginn, das sind Prägungen, die vor allem die jüngere Generation massiv miterlebt hat. Grenzenloses Freiheitsgefühl  gepaart mit der Wahrnehmung orientierungsloser Eltern, Lehrer – eines ganzen Landes.

Nein, es wird darüber nicht öffentlich diskutiert. Wir Ostdeutschen haben keine eigene Identität. Nur hinter vorgehaltener Hand wird ausgewertet, geschmunzelt und resümiert – über die Vergangenheit.

Die ältere Generation ist gelassener geworden. Sie haben alles erlebt, was man erleben kann. Und jetzt sind sie alte Hasen im Überleben. Die meisten älteren Menschen erwarten nicht mehr viel von diesem Land. Sie haben alles getan, was man tun kann: Zuerst für den neuen Arbeitgeber, später, als man das Spiel raus hatte, für sich selbst und vor allem die Kinder.

Jetzt wartet auf die meisten eine kleine Altersrente mit viel Armut drumherum. Mütter, die jahrelang gearbeitet und gleichzeitig (!) Kinder großgezogen haben, werden in der Rente massiv benachteiligt. Sie waren immer fleißig und sind trotzdem auf ewig die faulen Jammerossis. Die meisten müssen ihre Rente aufstocken lassen durch das Amt oder aber arbeiten gehen, über 67.

Wer seinen Ingenieur verpaßt hat, nach bundesdeutschem Recht anerkennen zu lassen, der bekommt keine Intelligenzrente, und wer zu DDR – Zeiten einen Beruf hatte, der keinem der heutigen Bildungsstandards entspricht, wird genauso betrogen.

Dennoch vermittelt die ältere Generation ein Bild von klugen, weisen und rechtschaffenen Leuten. Gestandenen Personen mit viel know how.

Bis heute keine guten Schauspieler

Eine aber wirklich ostdeutsche Eigenschaft ist: Wir sind, wie wir sind. Es wird nicht aufgebauscht und  groß geredet, was in Wirklichkeit gar nicht groß ist. Das ist es, was hier keiner mag. Hier wird die Kirche im Dorf gelassen. Und mit Werbung tut man sich bis heute schwer. Bescheidenheit würde ich das nennen.

Aber ansonsten ist hier jeder, entgegen sämtlicher Vorurteile, recht individuell. Denn von Masseneinreihung haben hier alle die Nase gestrichen voll. Alles, was nach sozialer Enge riecht, wird abgelehnt.

Unruhe, Getriebensein, Erschöpfung ließen die oftmals beklemmende Ruhe unter dem alten Regime in günstigerem Licht erscheinen, erklärt Wolfgang Engler… [Soziologe, Anm. von mrs-eastie] Annähernde soziale Gleichheit stattet die Menschen mit Wahrnehmungen, Urteilen und Gefühlen aus, die selbst geringfügige Unterschiede registrieren und Energien freisetzen, die auf deren Einebnung trachten. Exzentriker und Individualisten hatten einen schweren Stand, so wie jetzt der Arbeiter. Quelle: taz.de

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Linke-Abgeordnete: Staatsregierung redet Arbeitsmarkt schön




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Die Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann (Linke) hat der Staatsregierung vorgeworfen, die Situation am Arbeitsmarkt schönzureden. Zwar sei in den vergangenen Jahren auch in Sachsen die Beschäftigung wieder gestiegen.

“Jubelarien sind aber nicht angebracht”, sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linke-Fraktion. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit sei in erster Linie dem demografischen Wandel geschuldet. “Die aktuelle Landesregierung hat sich darauf beschränkt, die Situation am Arbeitsmarkt schön zu reden und Mindestlöhne zu bekämpfen.”

2013 habe es knapp 290 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte weniger gegeben als 1992, sagte Zimmermann unter Berufung auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. “Der Aderlass des sächsischen Arbeitsmarktes seit Beginn der 90er-Jahre konnte nicht annähernd kompensiert werden.” Das Lohnniveau sei noch immer unterdurchschnittlich. Zimmermann zufolge verdienten sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte in Sachsen Ende 2012 durchschnittlich 2124 Euro brutto im Monat; in ganz Ostdeutschland seien es laut aktueller Entgeltstatistik 2248 Euro und im Bundesdurchschnitt 2889 Euro gewesen.

Quelle: www.lr-online.de

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