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Zersetzung der Seele – die operative Psychologie in der DDR

Die DDR und „ihre“ Maßnahmen gegen mündige Bürger

Weshalb ich „ihre“ in Anführungszeichen gesetzt habe? Nun, bevor ich wieder Öl ins Feuer gieße und unsinnige Diskussionen über Ossis und Wessis entfache, ist es mir doch lieber, gleich auf eine gewisse Differenzierung von „Alltag in der DDR“ und „politischer Diktatur in der DDR“ vorzunehmen.

An und für sich setze ich das bei meiner Stammleserschaft ohnehin voraus, dass ihr nicht alles in schwarz oder weiß, gut oder böse, rechts oder links einteilt und dem Schubladendenken nicht verfallt.

Alle anderen Leser bitte ich gleich vorweg, nicht immer nur die eine Seite der Medaille zu betrachten, sondern sich einen Überblick zu verschaffen – über das Leben in der Deutschen Demokratischen Republik.

Deshalb schreibe ich ja hier darüber: Um einen Fokus auf das zu richten, was gut war – und gleichzeitig so vernichtend sein konnte.

Operative Psychologie

Die „Operative Psychologie“ war ein Forschungs- und Lehrfach an der Juristischen Hochschule (JHS) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR. Diese beschäftigte sich mit „den Erscheinungen, Bedingungen, Gesetzmäßigkeiten und des psychischen Erlebens und der psychischen Steuerung des Verhaltens und der Handlungen der Menschen in der politisch-operativen Arbeit des MfS“[1]. Die auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse wurden zur „Zersetzungpolitischer Gegner des SED-Regimes genutzt.

Quelle: Wikipedia

Viele Jahre mussten ins Land gehen, damit ich über dieses Thema schreiben kann. Bis heute bin ich mir nicht sicher, ob manche Leute, die heute groß „Ich bin stolz, ein Ossi zu sein“ schreien, überhaupt wissen, dass die DDR ein Unrechtsstaat war, eine Diktatur.

Bisher hat nie jemand in Frage gestellt, was ich zu dem Thema DDR zu berichten hatte – auch wenn ich damals verhältnismäßig jung war. Das Verhältnis zum Staat war immer sehr gespalten, worüber ich gleich berichten werde.

Dennoch liebe ich die Region, in der ich aufwuchs, in der ich meine Kindheit verbrachte und habe ich auch sehr viele schöne Kindheitserinnerungen. Ich kann jeden hier im Osten verstehen, der manche Dinge aus der DDR vermisst. Wer sich diese Widersprüchlichkeiten nicht erklären kann, der hat hier auf meinem Blog Gelegenheit, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Es wird noch mehr solche Artikel geben, doch das braucht Zeit.

Ich habe keine Lust mich oder andere zu stigmatisieren oder in der Manier mancher sensationsgeiler Medien ein einfaches Bild von der Vergangenheit der DDR zu zeichnen und der Konsequenzen daraus für unser heutiges vereintes Deutschland.

Es geht mir um Aufarbeitung, und ich werde gefühlsmäßig an viele Grenzen stoßen, hüben wie drüben. Das bin ich aber gewöhnt, und werde euch ausführlich in nächster Zeit berichten, warum ich diese Rolle gut ausfülle.

Ja, ich liebe Ostdeutschland, ich bin eine gebürtige Ostdeutsche, bin hier groß geworden, erwachsen geworden – und habe nie woanders als im Osten gewohnt. Ich war zur Wiedervereinigung elf Jahre alt und somit ein Kind.

Wieso also schreibe ich Artikel über die Zersetzung der Seele in der DDR?

Im Jahr 1960 begann sich in der DDR ein Zweig herauszubilden, der – sagen wir mal spekulativ – ein wenig effektiver als nur militärisch gegen Ideologie- Feinde vorgehen wollte.

Die beste Angriffsfläche in jedem Menschen, egal wie stark er ist, zeigt sich in der Manipulation seiner Psyche. Viele kennen sicherlich den Begriff Gehirnwäsche. Der eine oder andere weiß eventuell ein wenig Bescheid über das Arbeiten von Sekten und fanatischen Gemeinschaften ( egal welcher Art, nicht nur religiös). Dieser Begriff der Indoktrination ist nicht neu. Über langen Zeitraum werden immer wieder dieselben „Phrasen“ gedroschen, bis das Gehirn irgendwann auf Schmalspur funktioniert, sich nur noch auf ein Thema fokussiert und alles andere ausblendet.

Genau das erkannte das Ministerium für Staatssicherheit und baute es Stück für Stück in seine Funktionsweise mit ein. Doch worum genau geht es dabei?

Wer nie in einer Diktatur groß wurde, kann sich nicht vorstellen, wie so eine Kontrolle der Bewohner des Landes abläuft. Es gab in der DDR eine – sagen wir staatlich aufgezwungene – Weltanschauung, die jeder gehorsame Mensch genau so auch zu verinnerlichen haate. Jeder, der Zweifel daran hegte oder aber seinen Individualismus in den Vordergrund stellte, galt recht schnell als bedrohlich für das System.

Das MfS war dafür zuständig, die Bürger der DDR dahingehend zu beobachten und zu kontrollieren, dass deren Ansichten mit diesem aufdiktiertem Weltbild nicht in Widerspruch standen. Viele Bürger legten mehr oder weniger einen recht diplomatischen Spagat mit diesem System hin, um keinen Ärger zu bekommen.

Wer allerdings zu offen dagegen vorging, hatte jede Menge Probleme. Auch die Kinder dieser Leute hatten Probleme und manchmal endete das in einer Katastrophe besonderen Ausmaßes.

Die operative Psychologie funktionierte tatsächlich als Zersetzung des Lebens und das auf eine recht perfide Art und Weise. Sie passierte heimlich und versteckt – sodass der Nährboden für Vertrauen und Nähe Freunden oder Familienmitglieder gegenüber komplett entzogen wurde.

Bis heute weiss niemand so ganz genau, wen diese Maßnahmen trafen und wissenschaftlich wurden die Folgen – vor allem die seelischen – bis heute leider nicht Studien unterzogen. Es gibt Menschen in diesem Land, die hochtraumatisiert sind und bisweilen auch ihre Kinder (welche nun schon erwachsen sind). Die jedoch nicht wissen, dass viele Dinge in ihrem Leben geschahen, weil es jemand so wollte.

Die Trumanshow in der DDR

Gruselig…du gehst in deine Wohnung und plötzlich hängt ein Bild an der Wand, welches du nicht kennst. Du fährst mit dem Fahrrad und zwei kleinen Kindern in den entfernteren Konsum einkaufen und als du mit voll bepackten Taschen zurück kommst, sind beide Reifen aufgeschlitzt. Du hängst die schweren Beutel links und rechts an den Lenker, nimmst deine beiden quengelnden Kinder und schiebst mühselig dein Fahrrad gen Wohnung.

Fix und fertig schleppst du die Taschen nach oben und öffnest die Tür, willst jetzt doch noch einmal genau untersuchen, wo dieses mysteriöse Bild an der Wand her kommt – und es ist weg….

Du erzählst einem sehr engen Freund davon, bei dem du dir sicher bist, dass er dich niemals verraten würde. Ihr sitzt im Wohnzimmer bei einer Tasse Kaffee und unterhaltet euch über dieses Bild. Den nächsten Tag weiß in deiner Arbeitsstelle jeder darüber Bescheid, obwohl dein Freund dir schwört, es niemandem erzählt zu haben…Nicht nur peinlich, sondern vor allem zweifelst du an dir – an deinem Verstand. du wirst belächelt, ausgegrenzt und für irre erklärt. Das tut die Öffentlichkeit von ganz allein.

Doch wie konnte das alles passieren? Bist du wirklich Wahnvorstellungen erlegen?

Diese Geschichte ist keinesfalls übertrieben.

Ich habe dazu hier eine gut recherchierte Dokumentation gefunden, die du dir anschauen solltest.

Wie geht es dir nach Schauen dieses Films?

Natürlich fragt sich jeder, der nicht dem „gängigen“ Meinungsideal der DDR entsprach, ob es wohl auch ihn betraf? Situationen aus der Kindheit drängen sich nach oben, deren produzierte Bilder keiner mehr sehen will, die wegggedrängt und ausgeschaltet werden.

Jetzt ist ja alles gut, es ist lange her, längst vorbei. Keine Gefahr mehr.

Doch wo sind die Akten zu dem Thema? Wer kann auf Fragen antworten? Wer glaubt einem eigentlich heutzutage?

Welche Psychologen sind dafür ausgebildet, um ein verschwiegenes Trauma zu behandeln? Was wurde aus den Kindern, die involviert waren?

Zu viele Ungereimtheiten, zu wenig Hilfe seit der Wende – wie muss es den Opfern wohl ergangen sein und wie geht es ihnen jetzt?

Wir können nicht verleugnen, was an Unrecht geschehen ist. Nur die kritische Auseinandersetzung mit den Geschehnissen bringt uns auf einen Weg der Aufarbeitung….weit weg von sensationsgeilen Medien und ignoaranten Politikern, vielleicht auch einem stummen Volk, was eben nicht immer so geeint war.

Es hilt nicht,  die ganze DDR zu diffamieren, denn es gab keine homogene DDR-Bevölkerungsschicht. Das sollte ich wohl nicht erklären müssen.

Dennoch wünsche ich  euch ein paar ruihge Minuten, um inner zu halten und nachzudenken. Die DDR war nicht entweder böse oder gut. Sie war böse und gut. So wie man es von fast jedem System behaupten kann, welches durch Menschen funktioniert.

Einen kritischen Aufarbeitungsdienstag wünscht euch

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Die Methoden der Stasi – Angriff auf die Seele des Menschen

Die Reichweite der hauptamtlichen und inoffiziellen Mitarbeiter genügte nicht immer, um die vielschichtigen Pläne umzusetzen. Die Stasi war auf das Zusammenspiel mit anderen staatlichen Stellen angewiesen. Sie nannte das abgekürzt POZW – politisch-operatives Zusammenwirken. Mit dieser Vorgehensweise konnte die Staatssicherheit ihre Beteiligung an der „Zersetzung“ weiter vertuschen.

Maßnahmen der „Zersetzung“ wurden gegen Gruppen und Einzelpersonen angewandt, in jedem Fall stellten sie einen Angriff auf die Menschenwürde dar. Das MfS organisierte zum Beispiel beruflichen Misserfolg, um Existenzängste oder Unzufriedenheit zu schüren. Permanente Vorladungen durch Polizei oder Verwaltungseinrichtungen sollten einschüchtern. Dem MfS verpflichtete Ärzte wurden gegen die betreffende Person eingesetzt. Es kam vor, dass sie eine „den Wünschen der bearbeiteten Hauptperson widersprechende medizinische Betreuung“ einleiteten.

Erniedrigungen, Stigmatisierung und Diskreditierungen durch Desinformation gehörten ebenfalls zum Standardrepertoire der „Zersetzung“. Beispiele dafür sind Gerüchte über vermeintliche sexuelle Vorlieben oder über eine Zusammenarbeit mit dem MfS – eine Taktik, die eine Person innerhalb einer Gruppe isolierte. Die Betroffenen wurden so oft vor erhebliche Probleme im Freundes-, Familien oder Kollegenkreis gestellt. Je nach Art und Wirkung der Falschinformation kam das einer gesellschaftlichen Isolation oder Ächtung gleich.

Ebenso verhielt es sich mit erdachten und konstruierten kriminellen Vergehen, die den Opfern noch über Jahre anhingen und schwer zu widerlegen waren. In die gleiche Richtung zielte die Zerrüttung von Familienbeziehungen durch das Vortäuschen außerehelicher Kontakte oder die planmäßige Entfremdung der eigenen Kinder.

Diese eher „leisen“ Methoden konnten auch in Offenkundige umschlagen. In den Akten sind ständige Telefonanrufe, permanente Belästigung durch Annoncenschaltung, Vandalismus am privaten Eigentum und sogar körperliche Übergriffe überliefert. Im Einzelfall nahmen die Stasi-Offiziere sogar den Tod als Folge ihrer Tätigkeit billigend in Kauf.
Politische Haft und Verhörmethoden

Menschen, die nach den politischen Strafparagrafen der DDR verurteilt und inhaftiert wurden, erlebten im Gefängnis eine weitere Demütigung. In den Augen des Gefängnispersonals waren sie minderwertiger als die kriminellen Häftlinge. In den 80er Jahren wurden schätzungsweise 4.000 Menschen pro Jahr wegen politischer Straftaten inhaftiert.

Die würdelose Behandlung begann bereits in der Untersuchungshaft bei den Verhören durch die Staatssicherheit. Solche Verhöre waren für für die Beweisführung zum bevorstehenden Gerichtsverfahren von besonderer Bedeutung. Die oftmals illegal zustande gekommenen oder manchmal auch erfundenen Ermittlungsergebnisse sollten vor Gericht durch ein Geständnis verwertbar werden. Um das Ziel eines „Geständnisses“ zu erreichen, hatten die Vernehmer der Stasi ein ganzes Arsenal psychologischer Methoden und bediente sich dabei auch wissenschaftlicher Erkenntnisse. Physische Folter war selten, wurde jedoch angedroht. Nicht nur in Einzelfällen kamen Psychopharmaka in Stasi-Haftanstalten und -Krankenhäusern zum Einsatz.
In den oft Stunden dauernden Verhören arbeiteten die Vernehmer mit planvoller Zermürbung, Desinformation, Einschüchterung oder erzeugten ein ständiges Gefühl der Ungewissheit. Eine beliebte Finte war es, Bezüge zu Kindern und Familie herzustellen – zum Beispiel mit der Drohung diese zu verhaften oder für immer den Kontakt zu unterbinden. In politischen Ermittlungsverfahren kam es überdies zu einer unterstützenden Zusammenarbeit mit Psychiatern, die Schwachstellen der Inhaftierten offenlegten und mögliche Ansatzpunkte definierten, um die Person zu „brechen“.

Zwar verbesserten sich die Haftbedingungen von den 50ern bis in die 80er Jahre in der U-Haft der Stasi merklich. Trotzdem gab es auch kurz vor dem Zusammenbruch des SED-Regimes katastrophale Umstände zu beklagen. Sie dienten bis ins Detail der Unterstützung und Vorbereitung der Verhöre. Die Häftlinge erhielten schlechtes und zu wenig Essen, nur mangelhafte ärztliche Betreuung und waren permanenter Überwachung und Kontrolle ausgeliefert. Berichten ehemaliger Häftlinge zu Folge war besonders dieser Umstand belastend. Einerseits reichte die Überwachung bis in sehr private Situationen und wirkte dadurch entwürdigend. Andererseits verhinderte die ständige Beobachtung durchgängigen Schlaf und wirkte so als Folter.

In Verbindung mit den Methoden des Verhörs konnten Gefangene so gefügig gemacht werden. Führte dieser Weg nicht zum Erfolg, gab es verschärfte Maßnahmen. Einzel- oder Dunkelhaft, Stehzellen, Übergriffe durch die Wärter, willkürliche Strafmaßnahmen waren keine Ausnahmen, sondern kalkulierte Mittel, um den Willen der Gefangenen zu brechen.

Quelle: Mit freundlicher Unterstützung von
Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU)
Karl-Liebknecht-Straße 31/33
D-10178 Berlin
Kontakt

Telefon: (030) 23 24-50
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E-Mail: redaktion@bstu.bund.de

Bildquelle: iamanilozturk Vielen Dank! 🙂
Spendiert ihm bei Gefallen einen Kaffee!

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Bulgare findet in Zwickau neue Heimat

Am 3. Oktober jährt sich die Wiedervereinigung zum 25. Mal. Aus diesem Anlass haben junge Leute aus Zwickau 25 Zeitzeugen befragt. Einer von ihnen ist Stefan Kolev – der Bulgare lehrt als Professor an der WHZ. Eine 21-Jährige hat ihn porträtiert.

Von Sara Voigt*
erschienen am 30.09.2015

Zwickau. Stefan Kolev, geboren in Bulgarien, kann sich noch genau daran erinnern, dass er am 9. November 1989 bei seinen Großeltern war. Sein Opa sagte mit Blick auf den Fernseher: „Ach, in Berlin tut sich etwas.“ Am Tag darauf stürzt auch das sozialistische Regime in Bulgarien in sich zusammen. Noch heute sieht sich Stefan Kolev als Kind bei einer der größten Kundgebungen in Sofia im Juni 1990 auf den Schultern seines Vaters sitzen – inmitten von einer Million Menschen.

Dass eine neue Zeit angebrochen ist, merkt er vor allem im Klassenzimmer. Stefan Kolev geht damals auf die Deutsche Schule in Sofia und hat Kontakt zu ost- wie westdeutschen Lehrern. Doch schnell wird deutlich, dass die alten Eliten die neuen Zeiten für sich zu nutzen wissen. „Aus den sozialistischen Funktionären der Partei und ihrer Satellitenorganisationen wurden einfach kapitalistische Unternehmer“, sagt er. In diesem System will er nicht leben. Kaum hat er mit 18 Jahren sein deutsches Abitur in der Tasche, geht er nach Hamburg.

Dort kann der gebürtige Bulgare studieren, als Volkswirt promovieren, erhält Stipendien und verdient mitunter in der Stunde mehr als seine Eltern pro Woche in Bulgarien – als Ärzte. „Die Bundesrepublik oder Westdeutschland, wie es damals hieß, war von Bulgarien aus geradezu ein Synonym für das Paradies“, erinnert er sich. Und auch für ihn sind die zehn Jahre in Hamburg eine tolle Zeit. Er wird sehr gut aufgenommen, fühlt sich nur in ganz wenigen Situationen als Ausländer. Als es ihn beruflich in den Osten verschlägt, zunächst nach Erfurt und vor drei Jahren nach Zwickau, bedauern ihn Freunde und Familie für den „Rückschritt“, den er selbst jedoch nicht als solchen empfindet.

Die Distanz ist seinem Empfinden nach aber größer, wenn die Menschen am Akzent merken, dass er kein Sachse ist. Diese Unterschiede in der Mentalität, diesen Umgang mit dem „Anders sein“ führt der Professor der Westsächsischen Hochschule Zwickau auf die unterschiedliche Sozialisation zurück.

In einem Forschungsprojekt beschäftigt er sich mit der DDR-Planwirtschaft. Während der Westen schon lange mit permanenten Veränderungen im Wirtschaftsalltag lebt, neigen ehemalige DDR-Bürger eher dazu, Neues als Bedrohung wahrzunehmen. Dabei kann der Osten stolz auf sich sein: Die deutsche Wiedervereinigung ist nach Meinung von Stefan Kolev eine große Erfolgsgeschichte, auch wenn immer wieder Fehler gemacht wurden. Den neuen Bundesländern ist erspart geblieben, was Ländern wie Bulgarien passiert ist: Dass die alten Eliten unter neuen Vorzeichen einfach weiter machen wie bisher.

Ostdeutschland betrachtet Stefan Kolev als „Paradebeispiel für eine Schocktherapie“: Innerhalb von wenigen Monaten wurde das Land komplett umgekrempelt. Das ist nicht ohne Probleme abgelaufen, aber im Gegensatz dazu hat sich in seiner Heimat vieles überhaupt nicht verändert. 25 Jahre nach dem Zusammenbruch des Ostblocks sitzen oft dieselben Menschen und Netzwerke in Machtpositionen. „Bei aller Kritik, die man an die Nachwendezeit in den neuen Bundesländern äußern muss, ist das ein Schicksal, dass der jungen Generation hier erspart geblieben ist.“

In Bulgarien sieht nach außen hin alles bunt, modern und westlich aus. Doch hinter der Fassade haben die alten Seilschaften die Wende gut überlebt, ist die Gesellschaft nach dem Aufbruch der 1990er-Jahre wieder eine oft geschlossene Gesellschaft, deren alte Muster Bestand haben und reproduziert werden. Wer nicht die richtigen Leute kennt, hat aus eigener Anstrengung deutlich schlechtere Karten. An eine wirkliche bulgarische Wende glaubt Stefan Kolev daher kaum, auch eine Rückkehr schließt er aus diesem Grund nahezu aus. Deshalb wandern seiner Meinung nach auch heute noch so viele Bulgaren aus – nicht nur weil ihr Land arm ist, sondern weil es ihnen nicht genügend Aufstiegschancen bietet.

Der Professor kann zwar aus psychologischen Gründen verstehen, dass sich insbesondere ältere Menschen die DDR und damit ein Stück weit ihre Jugend zurückwünschen. Doch er stellt die Behauptung auf, dass „wir in der Geschichte nie in einer freieren und besseren Welt gelebt haben.“ Das sollten wir zu schätzen wissen. Denn der verklärende Rückblick sei kein fairer Blick zurück. Es stimme nicht, dass alle gleich waren und alle Arbeit hatten und alles so „kuschelig“ war. Die DDR war in den Augen von Stefan Kolev vor allem eines: ein Gefängnis.

*Die Autorin Sara Voigt (21) gehört zu einem Team von jungen Zwickauern zwischen 14 und 27 Jahren, die sich in einem medienpädagogischen Projekt mit der Deutschen Einheit befasst haben.

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25 Jahre nach dem Reset hinkt Ostdeutschland weiter hinterher

Bild: Rolf Jürgens  / pixelio.de

25 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung, der wirtschaftlich wie gesellschaftlich einen Neustart (“Reset”) zur Folge hatte, wirken die „schwierigen Startbedingungen Ostdeutschlands noch immer nach“. Das schätzt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Arbeitsagentur in Nürnberg in einer neuen Analyse ein. Die Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland sei heute etwa 1,5-mal so hoch wie im Westen, im Schnitt bekomme ein ostdeutscher Beschäftigter 20 % weniger Lohn als ein Westdeutscher. Und die wirtschaftliche Produktivität – zu DDR-Zeiten erreichte die etwa ein Drittel des bundesdeutschen Standes – habe sich bei etwa ¾ des Westniveaus eingepegelt.

Fortschritte beim Abbau der Arbeitslosigkeit, aber Stagnation bei Produktivität und Lohn

Vergleichsweise günstig habe sich dabei noch die Arbeitslosigkeit entwickelt: Die war in den 1990er Jahren noch doppelt so hoch wie im Westen. Jedoch „gleichen sich Ost und West seit der Jahrtausendwende in puncto Produktivität und Durchschnittseinkommen kaum noch an“, so die IAB-Forscher.

Zu wenig Industrie und private Forschung

Sie machen für die Stagnation vor allem die wirtschaftlichen Strukturen in großen Teilen Ostdeutschlands verantwortlich: Im Vergleich zum Westen gebe es zu wenig Industriebetriebe, zu wenig privatwirtschaftliche Forschung, kaum erfolgreiche Großunternehmen mit Hauptsitz in Ostdeutschland und „ein Defizit an wissensintensiven Unternehmensdienstleistungen“.

Ausnahmen sind nur Leuchttürme wie Jena und Dresden

Ausnehmen von dieser Einschätzung könne man nur wenige „Leuchttürme“ wie Jena oder Dresden. Dort gebe es viele „hochproduktive Betriebe, die westdeutschen Betrieben in nichts nachstehen“ und „hochrangigen Forschungseinrichtungen herausgebildet, die selbst einem internationalen Vergleich standhalten“.

Vorbild Singapur: IAB plädieren für Öffnung gen Osteuropa

Chancen, aus dem Tal der Stagnation auszubrechen, sehen die IAB-Analysten vor allem in einer „internationalen Öffnung Ostdeutschlands“: „Die schneller wachsenden Volkswirtschaften in Osteuropa bieten Entwicklungsperspektiven, die bisher zu wenig genutzt werden. Berlin könnte zur Drehscheibe für den Handel mit diesen Regionen werden und eine ähnliche Funktion einnehmen wie einst Singapur für die Märkte Südostasiens.”

Quelle: Nachrichtenportal Oiger, Heiko Weckenbrodt

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Das Jahrhundert der Angst

Die Neunziger waren unbeschreiblich aufregend.

Jeder träumte von der großen Freiheit und vielen unbegrenzten Möglichkeiten.
Wir Jugendlichen nahmen wahrscheinlich die Existenzängste der Eltern nicht wahr, denn uns stand die Welt offen.
Nach der Herauslösung aus ideologischen Bildungsinhalten der zerfallenen DDR wurden wir Stück für Stück mit dem neuen Schulsystem vertraut und gingen unseren Weg.
Halb Kind, halb Teenie fallen solche Umwälzungen nicht sehr schwer. Abgesehen von der Pubertät, die wahrscheinlich sehr viele von uns als ziemlich antiautoritär wahrnahmen, haben sich doch die meisten hinüber gerettet in die neue Welt.

Niemand wusste, wohin der Weg führen würde, geschweige denn, welche Windungen und Kurven da noch vor allen lagen.
Die Neunziger sind für mich Sinnbild einer Selbfindungsphase. Jedoch nicht (nur) meiner, sondern die einer ganzen Generation.

Freiheit, Freiheit hieß es damals. Heute heißt es Angst.

Von der Euphorie blieb nichts da. Denn dieses Jahrhundert scheint mir eher geprägt von Angst, Verzweiflung, Zerwürfnis und Schwere zu sein.
Ein Internetzeitalter ist angebrochen, was die Köpfe der meisten Menschen nicht verstehen. Evolutionsbedingt sind diese vielen Informationen der Rund-um-die-Uhr-Vernetzung wahrscheinlich für die meisten menschlichen Gehirne zu viel. Das meine ich weder arrogant noch ironisch, es ist mein Ernst.
Viele Menschen tragen vor allem eins in sich: Sorgen.
Das Internet kann nichts dafür, dennoch wird vielleicht so manchem erst durch die Interaktivität bewusst, wie die Welt wirklich ist und die Menschen, die in ihr leben.
Angst vor Flüchtlingen. Angst, den Job zu verlieren und in ein menschenunwürdiges Dasein abzurutschen. Angst, dem stets noch höherem Druck gewachsen zu sein. Angst vor Mobbing. Angst, hinten an zu stehen. Angst auch um die Kinder. Vor dem Versagen. Vor Verbrechen. Vor dem finanziellen oder wirtschaftlichen Crash. Vor dem Fanatismus, vor dem Unperfektsein, vor der Zukunft.

Ich beobachte in letzter Zeit eine sehr dramatische Wende in der Gesellschaft.

Seit Jahren empfinde ich einen riesigen Umwälzungsprozeß, in dem wir alle uns befinden, der rein gefühlsmäßig mit Worten nicht zu erklären ist.
Jede Menge Themen stehen im Fokus einer Gesellschaft, die nicht weiß, wohin sie laufen soll. Ob sie überhaupt laufen soll. Ob sie lieber innehalten und sich auf alte Werte besinnen soll. Oder damit den Fortschritt hemmt…
Es gibt auch eine enorme Spaltung im Denkprozess, ein Schwarz-Weiß-Weiß-Denken, welches durch die Medien oft genug noch Futter findet.

Arm oder reich, schlecht oder gut, krank oder gesund… Jede Spaltung dieser Art führt natürlich nicht zusammen, was zusammen gehört. Es ist gefährlich, sich nur auf eine Sichtweise zu verlassen, ohne den Horizont zu erweitern und über den sprichwörtlichen Tellerrand hinaus zu schauen.

Jedoch Angst ist ein schlechter Ratgeber, um Entscheidungen zu treffen und lähmt unsere Gesellschaft.

Wer nicht mehr fröhlich sein kann, wird depressiv. Ein Burnout des sozialen Gedankens rollt auf uns zu.

Vielleicht ist es meine subjektive Empfindung, dass sich hier große Extreme in den einzelnen Gesellschaftsschichten herauskristallisieren. Normalerweise bin ich immer bestrebt, meine Behauptungen auch sachlich zu untermauern.

In diesem Fall geht es jedoch nur um mein Gefühl. Es sagt mir, dass wir alle dem Druck in der Arbeitswelt nicht standhalten werden, denn Menschen sind keine Maschinen. Auch wenn es um das große Geld geht, so kann jeder Mensch nur ein bestimmtes Arbeitspensum schaffen.

Heutzutage ist fast jeder im Schichtdienst beschäftigt. Daran zerbrechen Familien. Der Kitt unseres Systems bröselt.

Die Neunziger waren ein so euphorisches Jahrhundert. Ich sehne mich zurück nach den vielen Ideen, wie wir alle eine bessere Welt gestalten können. Heutzutage haben mehr Menschen Angst vor Krieg, als damals – da gab es „nur“ Kapitalismus gegen Sozialismus.

Jetzt gibt es Gefahren, die lauern scheinbar überall. Eine Art Systemparanoia.

Die Verschwörungstheoretiker wissen es für sich zu nutzen und die Esoteriker auch.

Wer heutzutage kein stabiles inneres Wertesystem besitzt, wird mitgerissen von dieser erdrückenden Angst. Oder er befindet sich in einem Hamsterrad aus Hetzerei und Stress, viel Arbeit und wenig Freizeit. Immer verfügbar zu sein, ist ein gewaltiger Nachteil der Erfindung „Smartphone“.

Wer dazu aufruft, die Menschlichkeit nicht zu verlieren und einen Moment lang den Geldgedanken beiseite zu schieben, der wird als Gutmensch beschimpft. Wer dieses Wort als Schimpfwort nutzt, sollte ohnehin über sich nachdenken.

Andererseits steckt irgendwo immer ein Fünkchen Wahrheit und die Leute schäumen über, wenn sie sehen, dass Kindergärten geschlossen und Flüchtlingsheime hergerichtet werden. Polemik? Ja, es mag sein. Das Volk hat nicht studiert und setzt sich mit dem auseinander, was es vor die Nase gesetzt bekommt.

Wo welche Gelder hinfließen, was wie finanziert wird – das verstehen viele nicht. Denn es wird von den Politikern nicht sehr transparent in die Masse transportiert, dass verschiedene Gelder aus verschiedenen Pötten kommen.

Bildung schadet dabei ganz sicher nicht. Ich möchte auch niemanden verteidigen, der nur motzt und meckert, sich aber nicht informiert. Dennoch besteht unsere Gesellschaft aus den unterschiedlichsten Bildungsschichten und jedem sollte es in etwa nachvollziehbar sein, warum kein Geld für die Kinder in unserem Land da ist.

Wer hier schlau ist, bekommt genug Schafe hinter sich, um eine Revolution auszulösen. Die Frage ist nur, wem rennen die verschiedenen Gruppen dann nach.

Die einen glauben an die Wirkung von Globuli und verteufeln die Schulmedizin. Die anderen bestehen auf einer Verschwörung der Pharmaindustrie, welche mit Medikamenten Kinder und Erwachsene bewusst erkranken lassen soll. Aus reiner Profitgier.

Wieder andere sehen die große Gefahr in den Islamisten, und die, die sie dort nicht sehen – die richten ihren Blick über den großen See. Egal, mit wem ich rede oder was ich lese, früher oder später treffe ich auf Kontroversen, die ich tagelang erst einmal gedanklich auseinander nehmen muss, damit ich selbst weiß, wo ich stehe.

Ist es naiv, glücklich sein zu wollen?

Hin und wieder lehne ich mich bewusst zurück. Ich möchte gerne den Kopf freibekommen von den verschiedenen Sichtweisen. Meine Beobachtungen würde ich manchmal lieber ins Reich eines Science-Fiction-Romans verbannen. Es muss doch möglich sein, das Leben zu genießen und sein Kind glücklich aufwachsen zu sehen, ohne als naiv zu gelten.

Wo kommen wir als Eltern denn hin, wenn wir unseren Kindern ein so schlechtes Weltbild vermitteln?

Garantiert in Teufels Küche. Doch der soll sein Süppchen mal schön ohne mich kochen.

Die nächsten Tage begebe ich mich in die Natur und lasse den Medien-Mainstream nicht an mich heran. Vielleicht lindert das ein wenig den Weltschmerz. Leider kann niemand die ganze Welt verändern – diesen Spruch hörte ich schon als Kind sehr oft.

Ich antwortete dann immer trotzig, ich allein vielleicht nicht, aber wenn viele meiner Meinung sind…“

Ja, vielleicht schaffst du das eines Tages, murmelte eine sanfte Stimme zurück und ich spürte den Blick ernster, blauer Augen auf mir ruhen. Ihr seid eine Generation, die das schaffen könnte.

Nein, es ist nicht naiv – zu lächeln und Spaß am Leben zu haben. Nur wer nicht nachdenkt, ist gefährlich. Alles andere ist erlaubt.

In dem Sinne, eine stressfreie Woche ohne Angst vor…was auch immer

Hier steht eigentlich meine Unterschrift

 

 

 

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Oha! Kiga-Erzieherinnen „vom alten Schlag“… – gefunden bei Rabeneltern.biz

Mein Sohn wird bald vier und geht seit knapp einem Jahr in den Kindergarten (vorher Tagesmutter). Wir leben in einer sächsischen Großstadt und waren froh, überhaupt in relativer Nähe einen Platz in einem der (städtisch geführten) Kindergärten bekommen zu haben.
Die Eingewöhnung lief auch ok und wir haben Glück mit der Bezugserzieherin unseres Sohnes. Er hängt sehr an ihr und mag ihre ruhige, ausgeglichene Art.

Generell ist unser Sohn erstmal ziemlich scheu, redet ungern mit fremden Erwachsenen, taut nur langsam auf. Auf vertrautem Terrain ist er dann lebhaft, sozial kompetent ;-), witzig, schlau…
Aber er ist auch „eigen“, d.h. er ist nicht so angepasst und „widersetzt“ sich auch gerne mal irgendwelchen Ansagen. Von zu Hause ist er es halt gewöhnt, dass wir ihm begründen, weshalb etwas jetzt notwendig ist, und keine (gefühlt) willkürlichen Ansagen machen. An Neues (auch neue Schuhe o.ä.) gewöhnt er sich oft nur langsam, da braucht es dann etwas Fingerspitzengefühl zur Überzeugung. 😉 Aber grundsätzlich ist er – inzwischen! – durchaus kompromiss- und kooperationsbereit.

Im Kindergarten gibt es jedoch immer wieder Situationen, die mir schräg aufstoßen. Die Erzieherinnen dort, zumindest die etwas älteren, vertreten teilweise eine Grundhaltung bzgl. Erziehung und Umgang mit Kindern, die meinem bedürfnisorientiertem Umgang entgegen steht und eher noch aus Zeiten der ehemaligen DDR stammt: Kinder werden gepolt auf Konformität, sollen nicht aus der Reihe tanzen, Anweisungen sofort befolgen und eben generell „brav“, „artig“, angepasst sein. Sie sollen alles essen (zumindest probieren), sollen allen Erzieherinnen die Hand geben (auch früh beim Abgeben, wenn der Abschied schmerzt), sollen…ach, was weiß ich. Funktionieren halt.

Wenn mein Sohn bestimmte Dinge nicht (sofort) so macht, wird gesagt „Das muss er lernen“, generell wird von „Du musst…“ gesprochen, es wird mit den Kindern einfach nicht respektvoll umgegangen, sondern sehr von oben herab. Sie müssen eben „erzogen“ werden. Der Ton ist oft unfreundlich, es wird eine Atmosphäre des „Gehorchen müssens“ geschaffen. Da gibt es ein, zwei bestimmte Exemplare, bei denen ich das als besonders stark so erlebe. Leider hat mein Sohn mit einer davon sehr oft zu tun.

Da beobachte ich z.B. Situationen wie diese: Sohni sitzt am Tisch und malt fröhlich. Plötzlich steht die Erzieherin hinter ihm, nimmt ihm ohne Worte den Stift aus der Hand, presst ihn anders in seine Hand und sagt in unfreundlichem Ton: „So musst du den halten! Das musst du lernen.“ Sie sieht, dass ich da bin, sagt, zu mir gewandt: „Ja, das muss er lernen! In der Schule muss er den dann richtig halten!“ Ich sage (freundlich bemüht, obwohl ich innerlich koche): „Naja, bis dahin hat er ja noch drei Jahre Zeit.“ Sie: „Ja, aber auch beim Malen ist das schon wichtig!“ Ich (immer noch freundlich bemüht ): „Mir ist es eigentlich wichtiger, dass er Freude am Malen hat.“ Missbilligender Blick von ihr. Söhnchen hat längst den Stift aus der Hand gelegt und fühlt sich sichtlich unwohl.

Sowas kommt in verschiedenen Situationen immer wieder vor. Er möchte morgens nicht die Hand geben – es wird nach ihr gegrapscht („GUTEN MORGEN! Schau mich an dabei.“) Er möchte mittags nicht mit der scharfen Zahnpasta die Zähne putzen – er muss aber. (Da hab ich übrigens interveniert, als er mir das erzählt hat – und klargestellt, dass ich das nicht möchte, weil er bereits zu Hause zweimal mit Zahnpasta die Zähne putzt.)

Wie geht man denn mit sowas um? Also dem Kiga gegenüber – aber auch Söhnchen gegenüber? Im Kiga sind wir, glaube ich, eh schon in der Schublade „viel zu weich in der Erziehung“. Ich kann dort sicher sagen, was für mich/uns geht und was nicht, aber verstanden werde ich dort sicher nicht. Und ob sich der Umgang mit meinem Sohn dadurch bessert, bezweifle ich.
Kiga-Wechsel ist übrigens leider keine Option, da keine Chance.

Meinem Sohn habe ich in letzter Zeit, als ich das verstärkt mitbekam, vermittelt, dass auch ich das Verhalten dieser Erzieherin zu streng finde. Ich hab ihm gesagt, dass manche Erwachsene glauben, sie müssten so streng sein, weil sie es selber leider nicht anders gelernt haben. Und dass er die Dinge, die diese Erzieherin von ihm verlangt, nicht machen muss. Ich hab es auch ein bisschen versucht zu entdramatisieren, indem ich sie ein bisschen lächerlich gemacht habe #schäm – „die ist so ruppig“ und dann mit ihm gemeinsam darüber gelacht; ich hab mich einmal sogar dazu hinreißen lassen, zu sagen „die olle Pute“ – in lustigem Ton – und er hat sich kringelig darüber gelacht.
Aber ich bin mir nicht sicher, ob das…ähm…der korrekte Weg ist (wohl eher nicht…). #stumm

Mir geht es halt darum, ihn zu stärken – damit er sich in Gegenwart solcher „Drachen“ nicht klein fühlt (ich weiß noch genau, wie ich mich früher mit solchen dämlichen Erzieherinnen gefühlt habe… ;( #heul ), sich durch mich verstanden fühlt und signalisiert bekommt: „Nicht du bist falsch, sondern die Frau macht was falsch!“
Was meint ihr? Wie sollte man damit umgehen?
Ich danke Euch für Ideen…

weiter geht es hier:

Quelle: www. community.rabeneltern.biz / vom 16.09.2013

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Dritte Generation Ostdeutschland, Eisen-, Wost-, Wendekinder … 25 Jahre später

Inzwischen, 25 Jahre nach dem Mauerfall, gibt es einige Studien, Berichte, Gruppierungen, die sich (auch) darüber definieren und Bücher über und zu den Auswirkungen der Wende auf die damaligen Kinder und Jugendlichen. Auch die Taten und der aktuelle Gerichtsprozess der NSU haben das Interesse daran geweckt und erhöht.

Als „verlorene Generation“, als Wende-, Wost-, Eisenkinder werden wir bezeichnet.

Die Angaben über das Alter, in denen die Auswirkungen besonders gravierend gewesen wären, unterschieden sich leicht.

Ich halte die Pubertät für eine kritische Zeit und prägend für die gesamte weitere Entwicklung. Die seelische Entwicklung in vollem Gang ist: Teenager suchen ihren Platz in der Gesellschaft. Sie machen sich auf die Suche nach ihrer eigenen Identität und beginnen mehr und mehr, die Welt der Erwachsenen kritisch zu hinterfragen.

Genau in dieser Phase wurde zum Mauerfall und anschließender Wende mit allen Konsequenzen von „außen“ alles in Frage gestellt.

Es wird vielfach beschrieben, wie Autoritäten wie Eltern, Lehrer, Ausbilder usw. als verlässliche Instanzen für Werte „wegbrachen“.

In der Phase der Auseinandersetzung mit dem Richtig und dem Falsch, in der Suche nach Orientierung, was man wie findet, war mit einem Mal alles Bisherige falsch und verwerflich. Es gab nichts mehr, gegen das man sich auflehnen konnte. Alle, die einem bisher als gutes oder schlechtes Beispiel dienten, wie man werden könnte oder genau so nicht, waren hilflos. Wirklich hilf- und orientierungslos!

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit meinem damaligen Schuldirektor am 10.11.1989. Es fand im Treppenhaus der Schule statt. Ich hatte Angst nach dem Mauerfall. Ich hatte Angst, dass die DDR, dass wir jetzt ausverkauft würden, weil ja bei uns so vieles subventioniert und viel preiswerter als im Westen war. Der bis dahin so autoritäre und verlässliche Schuldirektor konnte meine Ängste und Befürchtungen nur anhören und hatte keine Antworten.

Wir wurden von den Lehrern weiter unterrichtet, mit mehrfach wechselnden Lehrplänen und Schulumzügen, die uns teilweise Gegensätzliches vor dem Mauerfall und der Wende beibrachten.

Es kamen Vertreter, die alle sichtbar über den Tisch zogen. „Halt Dich da raus, Du verstehst das nicht.“ als Antwort auf Fragen und Proteste und „Das ist jetzt eben so.“.

Aus „Wir sind das Volk.“ wurde „Wir sind ein Volk.“. „Das ist jetzt eben so.“
Eine Wahl bei der die CDU die meisten Stimmen bekam. Die Währungsunion, nach der die Ostprodukte aus den Läden verschwunden waren. Waren die so schlecht? Wenn die keiner kaufen würde, gingen die Betriebe kaputt. „Das ist jetzt eben so.“

Wendehals und Fahnen-nach dem Wind-hängen waren alltägliche Ausdrücke.
Die jugendlichen Freunde und Bekannten wurden schnell in links- oder rechtsorientiert kategorisiert.

Mit der Wende konnte man alles werden, stand einem alles offen, was vorher so nicht möglich gewesen wäre.

2009, an dem Samstag vor der Wahl, hatte ich Klassentreffen. Nach Angaben meiner ehemaligen Schulkameraden, waren die meisten noch nie wählen und würden auch am folgenden Sonntag nicht zur Wahl gehen. Viele waren selbstständig. Politik interessierte nicht.

Ich entdeckte Parallelen, die ich bisher bei mir für charakterbedingt hielt.
Wir waren 16 / 17 Jahre zum Mauerfall. In einem Alter, in dem man bewusst sucht und sich entscheidet, was man für richtig und für falsch hält … gab es schlicht keine Orientierungsmöglichkeiten. Es gab nichts Verlässliches.
Unter den damaligen Bedingungen, in diesem Alter, kann das ein grundlegendes Lebensgefühl prägen. Alles und jeder kann sich jederzeit in jede beliebige Richtung ändern. Auf wen kann man sich verlassen, wenn nicht auf sich selbst? Wem kann man vertrauen, wem glauben, wenn nicht sich selbst?

Vergessen und wenig beschrieben wie beachtet scheint zu sein, dass sich die DDR und das Leben in der DDR in der Zeit vor Mauerfall und Wende änderten. Man, zumindest als Jungendliche, konnte diskutieren und fragen. Auch über die Stasi wurde gesprochen. Es gab mehr zu kaufen. Ausreiseanträge und Besuche in den Westen wurden genehmigt. Über die DDR-Fluchten wurde berichtet und gesprochen. Es hätte, wenn auch ein langsamer und schwieriger, so doch Weg für eine sozialistische Gesellschaft in Freiheit sein können.

Das haben wir erlebt! Und dann? „Das ist jetzt eben so.“

Vor ein paar Jahren sagte eine ehemalige Klassenkameradin und damals sehr gute Freundin, dass wir keine gute Klasse gewesen wären, dass wir nicht zusammengehalten hätten.

Ich erinnere mich an Anderes. Aber schon unser 10. Schuljahr 1988 / 89 war von den Veränderungen geprägt. Ich glaube das nachfolgende Allein-gelassen -sein, das Auf-sich-gestellt-sein, die Unzuverlässigkeit des gesamten Umfeldes in dieser Zeit prägt die Erinnerung und das grundlegende Lebensgefühl.
Natürlich ist das nicht zu pauschalisieren! Selbst diese „Lebensgrundlage“ entscheidet nicht über die weitere Entwicklung.

Sabine Rennefanz beschreibt in Ihrem Buch „Eisenkinder“ auch ihre eigene Suche nach verlässlichen Autoritäten, die sie vorübergehend in der Religion fand. Von der radikal-provozierenden Grenzensuche bis zur völligen

Abwendung und Ablehnung jeglicher Autoritäten war und ist alles möglich.
Wir waren alt genug, alles bewusst zu erleben, aber nicht alt genug, gestaltend einzugreifen. „Das ist jetzt eben so.“ Ausgeliefert. Natürlich boten sich mit der Wende alle Chancen, die man so vorher nicht hatte. Und viele haben diese genutzt. Was sollte man sonst machen? Wem glauben, wem vertrauen? Doch nur noch sich selbst.

Natürlich lässt sich das nicht verallgemeinern. Bei den Menschen, die ich in diesem Alter kenne und kannte, ist eine gewisse Selbstständigkeit bis Autonomie, eine generelle Ungläubigkeit, fehlendes Vertrauen, Abwendung von politischen Ideen und Systemen … überdurchschnittlich stark vertreten.

Einzelkämpfer … und das ist nur „die Spitze vom Eisberg“

Quelle: www.meinanzeiger.de/Gera über Sabine Rennefanz – Autorin des Buches „Eisenkinder: Die stille Wut der Wendegeneration“

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Wer hat die CDU gewählt? Komm mal kurz mit!

Lupo/ pixelio.de
Lupo / pixelio.de

 

Ok ich weiß, ich habe mir auf die Fahne geschrieben, auf mrs-eastie nicht parteiisch zu werden, immerhin werbe ich mit Parteiunabhängigkeit in meinem Blog.

 

Trotzdem habe ich natürlich eine politische Meinung, wenn ich auch bisher keine Partei gefunden habe, die mich mit ihren Inhalten wirklich zufrieden stellt.

 

Ich möchte eine Partei, die sich um die deutschen Bürger kümmert und für ihre Belange ein offenes Ohr hat, sozusagen eine Volkspartei, aber am liebsten weder zu rechts, noch zu links – sondern einfach bürgernah.

 

Eine Partei, die sich um Kinder und Jugendliche kümmert und diese eventuell sogar zum Schwerpunkt ihres Wahlprogramms macht, wäre echt prima. Eine Partei, die nicht nur lapidar von irgendwelchen “Bildungsangeboten” redet, sondern deren Mitglieder Umfragen in Schulen und Kindertageseinrichtungen starten, um den Volk und vor allem dem Nachwuchs dieses Volkes nahe zu sein – ach was sage ich – es zu verstehen, zu fördern, zu bilden und zu mündigen Bürgern heranwachsen zu lassen!

 

Eine Partei, die sich um Familien kümmert, vor allem dann, wenn Krisensituationen vorherrschen, Alleinerziehende, sozial Schwache, durch Schicksalsschläge (Tod, Missbrauch u.ä.) gebeutelte Familien – aber auch die glücklichen Familien unterstützt, Papi-Zeiten, gute Abstimmung von Kindergarten und Beruf, vielleicht Förderung von Betriebskindergärten u.ä.

 

Ich möchte eine Partei, die nicht wegen “klarer Führung” gelobt wird (sogar im Ausland) – weil es mich erschauern lässt und zutiefst schockiert, so etwas in der deutschen Politik überhaupt zu hören!

 

Und ja, ich möchte eine Partei, die vernünftig spart auf der einen Seite und gleichzeitig Geld locker macht auf der anderen, die wenn nötig in wirtschaftliche Ereignisse eingreift, wenn diese aus dem Ruder laufen, die Managergehälter drosselt und mehr Geld unter den Armen verteilt, vor allem unter denen, die zur Tafel gehen müssen – und ihre Kinder gleich noch mit dorthin schleppen müssen!

 

Meiner Familie geht es gut – aber wir wissen noch, wo wir herkommen, wir wissen, dass ein “Hartz IV– Empfänger” von heute nicht zu vergleichen ist mit Sozialhilfeempfängern aus den 80ern, einfach weil seit der Wende wirtschaftsmäßig so viel schief gelaufen ist, dass es nicht nur in Ostdeutschland, sondern auch im Norden eine hohe Arbeitslosigkeit gibt.

 

Es ist mir egal, ob Angela Merkel so erfolgreich gewählt wurde, wie derzeit Konrad Adenauer – Angela Merkel hat nie gelernt, was Armut bedeutet, ihre Eltern haben auch zu DDR-Zeiten nicht jahrelang auf einen Trabant warten müssen, denn unsere Angie kommt aus einer hochbetuchten Familie der damaligen DDR und hat schon in ihrer Kindheit alles ermöglicht bekommen, was geht.

 

Ich will hier keinen Populismus betreiben, denn es ist längst Vergangenheit, es ist vorbei und sie ist erfolgreich. Das sollte man ihr gönnen. Aber die CDU sollte sich nicht feiern lassen wie in alten Tagen, denn die gute alte BRD-Zeit ist ebenso vorbei wie die Diktatur in der DDR.

 

Es gibt keine feierlich gewählte CDU mehr, es gibt eine Partei, deren Stimmen sich aus einer arg veralteten Wähler-Generation erklären, aus über 60 – 70-jährigen, wovon manche zur Schande aller Deutschen auch noch aus Gewohnheit oder Parteitreue heraus wählen, ohne sich einmal die Wahlprogramme aller Parteien angesehen zu haben.

 

Die social media in facebook, aber auch in twitter und anderen Online-Medien zeigt eindeutig, dass viele junge Leute sehr schockiert sind über diesen Wahlausgang.

 

Ich möchte eine Partei, die volksnah ist, die die Fühler ausstreckt und sich nicht nur feiern lässt auf einer hohen Tribüne, zu der man als Bürger aufschauen soll – wenn man denn Zeit dazu hat und nicht gerade für 6 Euro die Stunde arbeiten geht!

 

Jetzt ist auch noch unsere Familienministerin zurückgetreten – ganz sang- und klanglos ist sie einfach weg, hat sich aus der Politik verabschiedet – um mehr Zeit mit ihrer Familie zu verbringen. Ich mochte sie, denn sie saß am Puls der Zeit, sie wusste, was läuft in Deutschland. Es ist also nicht wichtig, in welcher Partei sie war oder ist, sondern ob sie nicht nur geredet – sondern auch gehandelt hat. Ja das hat sie!!! Danke für die gute Arbeit!

 

Ich möchte einfach als Bürger mitbestimmen können, wer unser Land regiert! Ich bin so frustriert und total benommen von diesem Wahlergebnis!

 

Ja, ich gebe zu, dass ich Kreuzchen bei den Oppositionsparteien gesetzt habe – einfach, um zu zeigen, dass meine Stimme genauso viel zählt, genauso viel wert ist wie die gefeierten Stimmen für die CDU.

 

 Ich bin genauso das Volk und so viele andere auch – und dort oben verstehen die Politiker unsere Botschaft einfach nicht.

 

Sie diskutieren nicht zeitgemäß, sondern über “irgendwas”, wie mir scheint – über Europa, über Schuldenschnitt, über Macht, über…???

 

Bitte, nehmt euch die Zeit und schaut euch unsere(n) kleinen Nachwuchs(künstler) an – die brauchen ein Fundament!!!! Sie brauchen Liebe, Kraft, ein offenes Ohr, gute Bildungschancen!

 

Sie brauchen keine Burn-out-Eltern, die in einer Burn-out- Gesellschaft schuften, um sich leere Phrasen von Burn-out-Politikern anzuhören!

 

Verflixt, Politiker sollen unser Land vertreten – und zwar für das Volk! Es ist nicht eure Tribüne und nicht euer Wahlsieg!

 

Der, der wählt – ist der, der das Sagen im Land hat.

 

Und nun noch kurz: Wer hat die CDU gewählt? Komm mal kurz mit! Ich muss dringend mit dir reden!

 

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